Grünes Licht für neuen Bahnhof

Vorarlberg / 12.06.2019 • 21:55 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

77-Millionen-Projekt auf Schiene. Bregenzer Stadtvertretung mit Grundsatzvereinbarung.

Bregenz Es kommt Bewegung in ein schon fast totgeglaubtes Großprojekt. Stadt Bregenz, ÖBB und Land Vorarlberg haben gestern am späten Vormittag in groben Zügen die Pläne für den Neubau des Bregenzer Bahnhofs präsentiert. Nach zehn Jahren Planungen und öffentlichen Diskussionen mache es jetzt keinen Sinn mehr, weiter zuzuwarten, sagte Bürgermeister Markus Linhart. Während Bahn und Land bereits seit Längerem grünes Licht für das Bauvorhaben gegeben haben, folgte die Stadtvertretung am Abend. Mit dem „Beschluss einer Grundsatzvereinbarung zur Mobilitätsdrehscheibe Bahnhof Bregenz“, der mit den Stimmen der Regierungsparteien ÖVP und Grüne sowie der Neos und zweier SPÖ-Mandatare eine Mehrheit fand, sind nun die Weichen für den Neubau gestellt. Weil die restliche SPÖ-Fraktion im Schulterschluss mit der FPÖ vor der Abstimmung den Saal verließ, fiel das Votum einstimmig aus. „Damit können jetzt die Detailplanungen in Angriff genommen werden“, ist Linhart erleichtert. Es sei eine Entscheidung mit Tragweite, die „für die Zukunft der Stadt von größter Bedeutung ist“.

Bereits vor zwei Monaten haben die VN wesentliche Fakten zum neuen Bahnhof enthüllt. Bestätigt wurden sie nun bei der Projektpräsentation. Als zentrale Drehscheibe und attraktives Eingangstor für den öffentlichen Verkehr wurde das 77-Millionen-Euro-Projekt bezeichnet. Den Bärenanteil der Kosten tragen mit 48 Millionen Euro die ÖBB, das Land Vorarlberg steuert 15 Millionen, die Stadt 14 Millionen bei. Die finanzielle Einigung nennt Linhart einen „großen Wurf“. Jetzt gelte es, in die Umsetzung zu kommen, weitere Verzögerungen könnten die Finanzierungszusagen gefährden.

Absage an Alternativprojekt

Damit wurden Überlegungen um eine Verlegung der Landesstraße eine klare Absage erteilt. Nachdem das Architekturbüro Dietrich-Untertrifaller als Sieger eines Wettbewerbs hervorgegangen war und mit der Planung des neuen Bahnhofs beauftragt wurde, hatte Architekturprofessor Roland Gnaiger eine Alternative mit veränderter Straßenführung entlang der Gleise ins Spiel gebracht. Eine solche sei schon im Rahmen des Masterplans vor Jahren geprüft und für negativ befunden worden, hieß es dazu gestern. Neuerlich wurde jetzt untersucht, ohne zu einem anderen Ergebnis zu kommen. In demonstrativer Einigkeit haben die Bauherren diese Alternativpläne jetzt endgültig begraben. Aus mehrerlei Gründen, wie auch Landesstraßenbauamt und ÖBB argumentierten. Die am besten funktionierende Lösung sei eben jene, die jetzt umgesetzt werden soll.

Sie trägt die Handschrift von Much Untertrifaller. Der Architekt spricht von einem Gelenk zwischen Innenstadt und Vorkloster sowie Innenstadt und See. Ein vitaler Ort soll der neue Bahnhof werden, der seiner Bedeutung entspreche. Eine große Holz-Glas-Konstruktion, repräsentativ hin zur Innenstadt, etwas kleiner zum See, prägt das Bild der Mobilitätsdrehscheibe. Der Individualverkehr gehöre dazu, ihn herauszunehmen und an den Rand zu schieben wäre widersinnig, so Untertrifallers Seitenhieb auf die bis zuletzt geprüften Alternativpläne. Gerhard Schnitzer, Leiter Straßenbau des Landes, schlägt in dieselbe Kerbe. Bei den Planungen habe man großen Wert darauf gelegt, dass alle Verkehrsarten gleichermaßen funktionieren.

Der hohe Anteil an Glas in der Konstruktion spielt für die ÖBB eine entscheidende Rolle. „Keine dunklen Räume, keine engen Winkel“, beschreibt Franz Hammerschmid von der ÖBB-Infrastruktur. Man wolle Angsträume verhindern. Einen ebenso hohen Stellenwert hat der barrierefreie Zugang der Bahnsteige. Am Bahnhofsvorplatz soll der Umstieg auf Busse und Fahrrad trockenen Fußes gelingen. Die Pläne sehen 16 Anlegekanten für Busse und mehrere Hundert Fahrradabstellplätze zur Stadt wie auch zum See hin vor.

Ein Jahr lang sollen die Detailplanungen dauern, dann können die Arbeiten beginnen. Zuerst wird die Hypo-Unterführung attraktiviert und barrierefrei ausgeführt. Die gesamten Bauarbeiten könnten fünf Jahre dauern, weil der Betrieb aufrechterhalten werden muss, heißt es seitens der ÖBB.

Bauherren und Architekten (v. l.): Franz Hammerschmid, Markus Linhart, Much Untertrifaller, Gerhard Schnitzer, Werner Baltram und Helmut Kuess.VN/Hartinger
Bauherren und Architekten (v. l.): Franz Hammerschmid, Markus Linhart, Much Untertrifaller, Gerhard Schnitzer, Werner Baltram und Helmut Kuess.VN/Hartinger