Oben weiß, unten nass: Vorarlberg ist zweigeteilt

12.06.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Marcel Schoder, Leiter der Skimittelschule Schruns, nimmt den frisch geräumten Güterweg zur Neuen Heilbronner Hütte in Angriff.  VN/LERCH

Feuerwehren im Dammbeobachtungseinsatz, doch ein bisschen Sommer ist in Sicht.

Geraldine Reiner

Schwarzach Das hat selbst Fredi Immler (71) noch nicht erlebt. „Das war wirklich ein Jahrhundertwinter. Ich gehe jetzt das 43. Jahr herauf, aber so wie heuer ist es noch nie gewesen“, schildert der Gaschurner, der mit seiner Familie seit 1977 die „Neue Heilbronner Hütte“ bewirtet. Acht Tage lang haben sich der 71-Jährige und seine Mitstreiter mit Sonden und einer zehn Tonnen schweren und 480 PS starken Fräse durch meterhohe Schneewechten gekämpft. Mittlerweile ist der „Durchstich“ geschafft und der Weg zur Hütte auf 2320 Metern Höhe frei.

Mit den Bedingungen zu kämpfen hatten auch die Arbeiter auf der Silvretta Hochalpenstraße. „Wir wollten eigentlich nach Pfingsten aufmachen, aber die Abräumarbeiten beim Steinschlagschutz sind noch im Gange. Es war einfach zu viel Schnee oben“, berichtet Betriebsleiter Ingo Klehenz. Noch immer liegen entlang der Mautstraße bis zu zwei Meter der weißen Pracht, in den Lawinenkegeln sind es sogar drei bis vier Meter. „Heuer war es gerade lawinentechnisch eine Herausforderung. Ein weiteres Problem war, dass wir zwischendurch Neuschnee bekommen habe. Dadurch hatten wir teils die zwei- bis dreifache Arbeit“, sagt Klehenz. Geplant ist, dass die Mautstraße am kommenden Donnerstag, 20. Juni, für den öffentlichen Verkehr freigegeben wird.

Die Rheinvorländer waren am Mittwoch flussabwärts der Brücke Wiesenrain überflutet. VN/Steurer
Die Rheinvorländer waren am Mittwoch flussabwärts der Brücke Wiesenrain überflutet. VN/Steurer

Feuerwehr am Rhein

Der Schnee, besser gesagt die Schmelze desselben gepaart mit heftigen Gewittern in der Schweiz, sorgte auch dafür, dass die Hochwassersituation entlang des Rheins entgegen den Prognosen weiter angespannt blieb. Nachdem die Rheinvorländer bereits am Dienstag überflutet wurden, rollte am gestrigen Mittwoch eine neue, zweite Hochwasserwelle mit Spitzen von knapp 2000 Kubikmeter pro Sekunde auf Vorarlberg zu. „Das ist vergleichbar mit der Situation im Juni 2016“, erläutert Daniel Haspel von der Technischen Einsatzleitung Österreich. Am gesamten Alpenrhein wurde die Gefahrenstufen 3 ausgerufen. Im Fußacher Durchstich flussabwärts der Brücke Höchst-Lustenau brach auf einer Länge von 50 Metern die rechte Mittelgerinnewuhre. „Auf die Hochwassersicherheit hat das aber keinen Einfluss“, betont Haspel. Ungeachtet dessen wurde am Nachmittag entschieden, die Feuerwehren in den Abendstunden zu einem Dammbeobachtungseinsatz auszuschicken.

Daniel Haspel geht davon aus, dass es bis heute Mittag dauern wird, bis die „Vorländer wieder einigermaßen trocken“ sind. Laut den Prognosen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) lösen sich die Wolkenfelder im Laufe des Vormittags auf oder wandeln sich in lockere Quellbewölkung um. Anschließend soll es sonnig, trocken und mit bis zu 27 Grad durch den Tag gehen. Noch sommerlicher sind die Aussichten am Freitag, wenn bis zu 30 Grad möglich sind. Die Freude währt allerdings nur kurz. Bereits am Samstagnachmittag kündigen sich die nächsten Regenschauer an.

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