Sprache gegen Klischees

12.06.2019 • 17:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tanja Kopf engagiert sich schon lange für die Anliegen von Frauen. vn/mm
Tanja Kopf engagiert sich schon lange für die Anliegen von Frauen. vn/mm

Forderung nach geschlechtergerechten Sprache.

Feldkirch Heute, Donnerstag, feierte das Fraueninformationszentrum Femail sein 25-jähriges Bestehen. Seit August 2018 steht Tanja Kopf an der Spitze des Vereins. Sie arbeitet schon lange im Frauenbereich und wundert sich manchmal selbst, warum die Gleichstellung so schleppend vorangeht.

 

100 Jahre nach Einführung des Wahlrechts hat auch Österreich eine Bundeskanzlerin, und die halbe Regierungsmannschaft ist weiblich. Warum dauerte das so lange?

Kopf Zur Klarstellung: Die derzeitige Bundesregierung ist nicht demokratisch gewählt. Ansonsten halte ich es mit dem Bundespräsidenten, der meinte, Frauen in der Regierung sind eine Entscheidung, an der man nicht mehr vorbeikommt. Ich denke, das wird sicher zukunftsweisend sein.

Das heißt, man könnte mehr Frauenbei der nächsten, demokratisch gewählten Regierung einfordern?

Kopf Ich bitte sogar darum, dass das gemacht wird. Derzeit pendelt sich der Frauenanteil bei der 30-Prozent-Marke ein, aber wir müssen darüber hinaus kommen. Das ist ein Grund für meine Arbeit in diesem Bereich. Es geht darum, Halbe-Halbe in allen Bereichen zu schaffen.

 

Trotzdem bleibt die Gleichstellung insgesamt eine zähe Angelegenheit. Woran liegt das?

Kopf Wir haben eigentlich schon viel erreicht. Die Frage ist nur, wie geht man mit Entwicklungen um, die wieder in die Gegenrichtung laufen. Im alten Regierungsprogramm etwa kommen die Worte „Gender“ oder „Gleichstellung“ sehr selten vor, und Frauen werden nur im Kontext mit Familie gesehen. Dabei handelt es sich um eine Querschnittsaufgabe, die nur in Kooperation mit möglichst vielen Institutionen und Systempartnern bewerkstelligt werden kann.

 

Dennoch geht wenig vorwärts, warum?

Kopf Diese Frage stelle ich mir auch, ich denke aber, es hängt mit Dingen zusammen, auf die wir im Fachbereich Frauen und Gleichstellung nicht unmittelbar einwirken können. Geht es etwa um Einkommensunterschiede oder politische Partizipation kann ich Veränderungen nur anregen, die Umsetzung muss in der Politik, mit den Gewerkschaften oder Sozialpartnern erfolgen. Mich würde es freuen, wenn Betriebe das Femail zu Rate ziehen würden, zum Beispiel bei der Frage, wie sich Familie und Beruf gut vereinbaren lassen oder wie die Stellung der Frau im Betrieb verbessert werden kann. Damit wären wir ein schönes Stück weiter.

 

Was hat Femail seit seiner Gründung vor 25 Jahren zur Gleichstellung von Frauen im Land beigetragen?

Kopf Femail hat sich als niederschwellige Einrichtung etabliert. Sein Mehrwert liegt in der Aufbereitung und Weitergabe von Information und Vernetzung. Für Frauen ist das wichtig, denn Information ist der erste Weg zur Veränderung. Zudem braucht es die Konzentration auf spezifische Themen. Das macht Femail bei den Migrantinnen und in der Frauengesundheit.

 

Wie soll die Zukunft des Femail aussehen?

Kopf Das Femail darf akzentuierter auftreten, es darf Ecken und Kanten haben und immer wieder auch unangenehme Fragen stellen. Vor allem müssen Forderungen artikuliert und an jene Organisationen weitergeben werden, die es betrifft.

 

Können Sie eine solche Forderung benennen?

Kopf Eine Forderung bezieht sich auf die geschlechtergerechte Sprache. Sprache bildet die Wirklichkeit ab, deshalb ist es wichtig, dass auch bei Frauen weibliche Formen genannt werden. Wir wissen, dass sich auch Rollenklischees nur durch die sprachliche Differenzierung verändern. VN-MM