Vatermord: Es bleibt bei sieben Jahren Haft

Vorarlberg / 12.06.2019 • 22:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der damals 14-jährige Angeklagte beim Prozess in Feldkirch.Eckert
Der damals 14-jährige Angeklagte beim Prozess in Feldkirch.Eckert

Berufungsgericht
bestätigte Strafhöhe für verurteilten
Teenager aus Götzis.

Christiane Eckert

feldkirch, Innsbruck September 2017: Ein 14-jähriger Schüler ersticht in Götzis seinen 51-jährigen Vater. Auch auf seine Mutter sticht er mehrmals ein, danach verletzt er sich selbst.

Der Schöffensenat in Feldkirch verurteilt den jungen Mann wegen Mordes und Mordversuchs zu sieben Jahren Haft. Von vornherein werden gleich zwei psychiatrische Gutachter beauftragt. Beide kommen zum selben Ergebnis: Der Jugendliche war zurechnungsfähig. Ein Wiener Neurologe erfährt über die Medien von dem Fall und auch von den Umständen, welche die tragische Tat begleiteten. Der Spezialist hält es für möglich, dass in jener Nacht auch eine besondere Form der Epilepsie eine Rolle gespielt haben könnte, da mehrere Zeugen von einem leeren Blick und Abwesenheit des Täters sprachen. Verteidigerin Astrid Nagel wollte weitere Untersuchungen, um diese Frage restlos zu klären, doch der Oberste Gerichtshof entschied, dass zwei Gutachter genug sind und das Gericht prinzipiell richtig entschieden hat.

Nun ging es bei der Berufungsverhandlung am Mittwoch in Innsbruck nur noch um die Strafhöhe. Die Verteidigung wollte weniger, die Staatsanwaltschaft mehr.

Milderungsgründe

In Innsbruck wurden, so wie auch beim Prozess in Feldkirch, die eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit, das jugendliche Alter, die bisherige Unbescholtenheit und das Geständnis als mildernd gewertet. Dass der Junge neben einem Mord noch einen Mordversuch begangen hat, wirkt erschwerend. Sowohl Anklagebehörde als auch Verteidigung müssen die sieben Jahre akzeptieren. Es gibt keine weiteren Rechtsmittel mehr.

Die Höchststrafe beträgt bei dem Jugendlichen zehn Jahre Haft. Sieben davon wurden verhängt. Seit
21 Monaten sitzt der Verurteilte in U-Haft. Zurzeit befindet er sich Innsbruck.

Spezielle Anstalt

Nach Rechtskraft werden Häftlinge in Anstalten verlegt, die auf längere Unterbringung spezialisiert sind. Im Falle des jungen Götzners ist vermutlich die Justizanstalt Gerasdorf in der Nähe von Wien die nächste Station. Seit 1970 besteht die auf Jugendliche spezialisierte Anstalt, sie bietet 122 Haftplätze. 17 Betriebe bieten den Insassen Arbeit, 13 davon sind Lehrbetriebe. Die Leitung versucht laut Internetpräsentation auch mit diversen Freizeitaktivitäten die Haft zu strukturieren.

Hoffen auf baldiges Ende

Nach Bestätigung der Strafe verbleiben nach Abzug der U-Haft noch 63 Monate. Doch es gibt Normen, die frühere Entlassungen möglich machen.

» Frühestens nach der Hälfte: dann blieben noch 21 Monate.

» Nächste Chance – Entlassung nach zwei Dritteln: in dem Fall wären noch 35 Monate abzusitzen.

 

Ob und wann jemand frühzeitig entlassen wird, kann man im Vorhinein nicht sagen. Rechtskräftige Entscheidungen können nurmehr mit einer Wiederaufnahme des Verfahrens neu aufgerollt werden, doch das ist höchst selten und verlangt neue Beweise.