Die Vorwarnstufe ist erreicht

13.06.2019 • 18:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Bodenseepegel ist unter Beobachtung, auch das viele Treibholz macht den Verantwortlichen zu schaffen.

Bregenz Erst ließ der heftige Dauerregen in der Schweiz den Rhein über die Ufer treten, jetzt rüsten sich die Gemeinden am Bodensee für ein mögliches Hochwasser: Am Donnerstagvormittag erreichte der Pegelstand an der Messstelle am Bregenzer Hafen die Marke von 4,68 Metern. Die im Rahmen der Hochwasserschutzprojekte definierte Vorwarnstufe liegt bei 4,66 Metern. „Das ist aber alles noch nicht bedrohlich. Dieser Wasserstand kommt alle drei bis vier Jahre einmal vor“, beruhigt Thomas Blank, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft beim Land. Laut den Prognosen vom Donnerstag soll der See in den kommenden Tagen um weitere fünf bis zehn Zentimeter anschwellen, je nach Temperatur, Schneeschmelze und Niederschlag. „Genau wissen wir es natürlich nie, aber die Tendenz ist, dass er nicht wirklich sehr stark steigt“, führt Blank aus.

Pumpen installiert

Dennoch, die Gemeinden haben sich für den Fall gerüstet. In Bregenz wurden am Donnerstag die vier Hochwasserpumpen am Seeufer installiert. Im Bedarfsfall können damit die Innenstadt und das Vorkloster entwässert werden. „Die Pumpe drückt das Wasser in den See raus, wir pumpen also die Innenstadt tiefer. Der See könnte 30 Zentimeter höher kommen und in der Innenstadt würde noch nichts passieren“, erläutert der Bregenzer Bauamtsleiter bei einem Lokalaugenschein bei der Pumpe am Hafen. Gepumpt wird auch in Hard. Das große Pumpwerk am Fischteich und weitere fixe kleine Pumpen laufen, am Dorfbach warten vier mobile Pumpen auf den Einsatz. „Im Rheindelta herrscht derzeit noch Normalbetrieb, die weitere Entwicklung wird aber genau verfolgt“, heißt es aus der Abteilung Wasserwirtschaft.

Und dann ist da noch das außergewöhnlich viele Treibholz, das der Rhein in den Bodensee verfrachtet hat. „Wir waren die ganze letzte Woche dran, das Holz, das die Ach gebracht hat, wegzuräumen. Vor zwei Tagen ist dann der Rhein gekommen und hat uns alles wieder belegt“, berichtet der Bregenzer Bauhofleiter Erich Knappitsch. Während Tom Pfannzelter (44) und sein Kollege an der Pipeline seit fünf Uhr morgens mit Bagger und Dumper zugange sind, kämpft sich eine weitere Partie am Segelhafen durch die angespülten Berge aus Holz. „Da sind Holzteppiche draußen mit Hunderten Metern Durchmesser. Am Mittwochabend war der ganze Zwickel vom Gondelhafen bis zum Fischersteg ein Teppich. Am Morgen war das Holz weg, jetzt kommt es wieder“, schildert Bürgermeister Markus Linhart.

Zur freien Entnahme

Das Treibholz wird im Innenhof der ehemaligen Landwirtschaft des Klosters Mehrerau zwischen­gelagert. Ab heute, Freitag, steht es dort für die Bevölkerung zur Abholung bereit. Jenes am Mehrerauer Seeufer kann laut Stadt überall dort, wo entsprechende Zugänge zum See sind, direkt mit nach Hause genommen werden.

„Einen Teil haben wir an die Hackschnitzelwerke geliefert, aber die nehmen es nicht so gerne, weil Steine oder Unrat drinnen sind. Teilweise hat es auch einen schlechten Brennwert, weil es schon morsch ist“, ergänzt Knappitsch. Vn-ger

Bregenz zwischen Holz und Wasser: Tom Pfannzelter im Einsatz an der Pipeline, Pumpeneinbau am Bilgeribach und dazwischen ein paar Badegäste. VN/Steurer
Bregenz zwischen Holz und Wasser: Tom Pfannzelter im Einsatz an der Pipeline, Pumpeneinbau am Bilgeribach und dazwischen ein paar Badegäste. VN/Steurer