Hohe Strafen für rumänische Bettler nach brutalem Raub in Alberschwende

Vorarlberg / 13.06.2019 • 17:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der 33-jährige Haupttäter fasste mit 13,5 Jahren Gefängnis die höchste Strafe aus. ECKERT

13, 5 Jahre Gefängnis für gewissenlosen Schläger, der Hilfsbereitschaft schamlos ausnutzte.

Christiane Eckert

Feldkirch Anfang Dezember 2018 wird in Alberschwende ein 65-jähriger Pensionist nachts von zwei Einbrechern überfallen und misshandelt. Zwei Tage vor dem Überfall war einer der Täter, ein 33-jähriger Rumäne, bei dem Landwirt und erbettelte mit seiner aufdringlichen Art 100 Euro. Wie schon so oft zuvor. Und selbst am Tag des Überfalls belästigte der Rumäne den Bregenzerwälder. Mit Erfolg, auch dieses Mal waren die 250 Euro schnell „verdient“. Der Rentner war stets großzügig, der Bettler brachte hin und wieder auch seine Familie mit. Mit Ehefrau, dem elfjährigen Sohn und der zweieinhalbjährigen Tochter versuchte der Clan, Eindruck auf dem einst landwirtschaftlichen Hof zu machen. Immer wieder zeigte sich der Alberschwender mitfühlend. In Summe dürften mindestens 1000 Euro zusammengekommen sein. Doch all die Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit halfen dem Mann rund zehn Stunden später nichts, als er hilflos am Boden lag und die Täter auf ihn eintraten. Der Bettler und sein Komplize waren gierig und vermuteten, sie könnten noch mehr holen.

Foto auf Facebook

Einer der Haupttäter postete auf Facebook in der Vergangenheit, wie er ein ganzes Büschel Geld aufgefächert in die Kamera hält. Zwanzig bis dreißig Hunderter dürften zu sehen sein. Auch von dem brutalen Raub gibt es ein Foto, angefertigt von dem 26-jährigen Komplizen des Mannes. Es zeigt das blutüberströmte Opfer in jener Tatnacht. Warum dieses Foto angefertigt wurde? „Eventuell um zu prahlen oder andere einzuschüchtern“, könnte sich Opferanwalt Stefan Denifl bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch als Motiv vorstellen.

Im Prozess schwächen alle Angeklagten ihre Täterrolle ab. Der 22-jährige Fahrer zum Beispiel, der bereits vier Vorstrafen hat und nun aktuell in Rumänien zu einem Jahr und acht Monaten Haft verurteilt wurde. Er will von dem brutalen Überfall nichts gewusst haben, sei nur in den Bregenzerwald gefahren und habe sich bereitgehalten, die zwei Chauffierten wieder abzuholen. Von einem schweren Raub habe er nichts geahnt. Aber selbst jener, der vom Opfer eindeutig als Schläger erkannt wurde, spielt seine Rolle herunter: „Als ich kam, lag der Mann bereits blutverschmiert am Boden, ich habe ihm aufgeholfen und ihm das Gesicht gewaschen.“

„Ich wollte das nicht, das ist nicht meine Sache. Er war ein guter Mann und immer großzügig“, sagt derjenige, der dem Opfer ins Gesicht trat und ihn mit Fäusten schlug. Der 65-Jährige hatte unzählige komplexe Trümmerbrüche und wäre durch das Anschwellen der Atemorgane beinahe erstickt. Die Raubbeute betrug 300 Euro.

Harte Konsequenzen

Die Sanktionen fallen angesichts der Brutalität hart aus: Der sechsfach vorbestrafte 33-jährige Haupttäter erhält 13,5 Jahre unbedingte Haft. Das ist jener Mann, der immer wieder als Bettler den Hof aufsuchte. Der elffach vorbestrafte Komplize, auch er war an den brutalen Schlägen beteiligt, wurde zu neun Jahren und neun Monaten unbedingter Haft verurteilt. Dieser Täter hat neben der österreichischen Haft noch eine Strafe in seiner Heimat zu verbüßen. Dort wurden ihm für andere Straftaten – unter anderem Erpressung – vier Jahre und drei Monate auferlegt. Auch der Jüngste im Bunde, der 22-jährige Fahrer, der die beiden Räuber nach Alberschwende brachte, muss in Haft. Der vierfach Vorbestrafte erhält, ebenfalls wegen schweren Raubes, sechs Jahre und sechs Monate. Und auch auf ihn wartet in Rumänien eine weitere Sanktion. Er muss sich somit mit zusätzlichen 20 Monaten Gefängnis abfinden. Dem Opfer wurden 10.753 Euro zugesprochen. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.