Raub in Alberschwende: Der Angeklagte weist die Schuld von sich

Vorarlberg / 13.06.2019 • 12:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der 26-jährige Zweitangeklage hat bereits elf Vorstrafen auf dem Kerbholz. ECKERT

Am Landesgericht Feldkirch hat der Prozess gegen die rumänischen Bettler begonnen, die Anfang Dezember 2018 in Alberschwende einen Pensionisten brutal zusammenschlugen.

Christiane Eckert

Feldkirch Die Staatsanwältin hielt ihr Eröffnungsplädoyer und schilderte nochmals den brutalen Überfall auf den damals 65-jährigen Landwirt. Wie der vor dem Fernseher Eingeschlafene von den Tätern geprügelt und getreten wurde, obwohl er sofort sein weniges Geld herausgerückt hatte. Und auch, wie die Täter den Mann knebelten und so zurichteten, dass er zweimal operiert werden musste. Die Männer rissen das Telefonkabel des Festnetzes heraus. So musste das Opfer, als es aus der Bewusstlosigkeit erwachte, zu Fuß zu seinem Nachbarn gehen, um Hilfe zu holen.

Der Nachbar identifizierte den Rentner nur an der Kleidung, denn sein Gesicht war dermaßen zugeschwollen, dass der Anrainer das Opfer nicht mehr erkannt hätte. Der rumänische Angeklagte, der damals als Fahrer fungierte, bestreitet, dass er wusste, was im Haus drinnen passierte. Im Vorfeld hatten die zwei unmittelbaren Täter ihre Rolle abgeschwächt.

Während die Männer bereits in Haft saßen, wurden zwei der drei mutmaßlichen Täter in Rumänien nochmals wegen anderer Straftaten in ihrer Heimat verurteilt. Der bereits vierfach vorbestrafte Erstangeklagte fasste in Rumänien in Abwesenheit ein Jahr und acht Monate Gefängnis aus. Der bereits elffach vorbestrafte Zweitangeklagte bekam vier Jahre und drei Monate. Diese rumänischen Urteile sind bereits rechtskräftig. Ein europäischer Haftbefehl liegt vor. Diese Unterlagen sind dem Landesgericht Feldkirch erst gestern zugegangen.

Übel zugerichtet

Bereits bei der Einvernahme des Erstbeschuldigten, der zum Tatzeitpunkt der Fahrer war, wird deutlich, dass das alte Spiel, welches mehrere Angeklagte in der Regel spielen, auch hier stattfindet. Er behauptet, dass er keine Ahnung gehabt habe, was seine beiden Komplizen vorhatten. Die Musik sei laut gewesen. Und so habe er nicht hören können, was die anderen beiden sprachen. Außerdem seien sie so betrunken gewesen, dass sie kaum zu verstehen gewesen seien. Er habe also keine Ahnung von dem brutalen Vorhaben gehabt. Dass man um zehn Uhr nachts zu dem alten Mann fuhr, um angeblich zu betteln, habe ihn nicht gewundert. „Ich dachte, der alte Mann sei mit meinem Bruder und dem anderen Kollegen befreundet“, so die Angaben des Erstangeklagten.

Der 33-jährige mutmaßliche Haupttäter erbettelte von seinem Opfer mindestens 1000 Euro, ehe er ihn laut Anklage brutal zusammenschlug.
Der 33-jährige mutmaßliche Haupttäter erbettelte von seinem Opfer mindestens 1000 Euro, ehe er ihn laut Anklage brutal zusammenschlug.

Auch sein mitangeklagter Bruder sei unschuldig. Der Fahrer sagt, sein Bruder habe auf der Fahrt nach Rumänien gesagt, dass der Dritte im Bunde so brutal zugeschlagen habe. Er selbst habe den alten Mann nicht angerührt. So geht es beim Prozess hin und her. Jeder behauptet, erst dazu gestoßen zu sein, als der Kollege das Opfer bereits schwer verletzt hatte. Beide unmittelbaren Täter hätten den Pensionisten angeblich bereits „blutüberströmt“ vorgefunden. Man wird sehen, was der Schöffensenat von diesen Versionen hält. Das Urteil wird am Nachmittag erwartet.