System-Streit um Tagesmütter

13.06.2019 • 17:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Tagesmütter sind ein zwar kleiner, aber auch sehr wichtiger Bestandteil im umfangreichen Kinderbetreuungsnetz des Landes.verein/gmeiner
Tagesmütter sind ein zwar kleiner, aber auch sehr wichtiger Bestandteil im umfangreichen Kinderbetreuungsnetz des Landes.verein/gmeiner

Gemeindeverband wettert gegen Fördermodus. AMS verweist auf Sparmaßnahmen.

Dornbirn Das AMS Vorarlberg kündigt per 1. Juli 2019 die bislang gemeinsam mit dem Land und den Gemeinden praktizierte Förderung von Tagesmüttern und muss dafür harsche Kritik vom Gemeindeverband einstecken. „Dieser Schritt ist überhaupt nicht nachvollziehbar“, wettert Präsident Harald Köhlmeier. Er spricht von einem bestens funktionierenden System, das nun durch einen undurchsichtigen Förderdschungel ersetzt werden soll. AMS-Geschäftsführer Bernhard Bereuter kontert: „Der Ausstieg des AMS ist seit einem halben Jahr bekannt, auch die Eltern, die Tagesmütter in Anspruch nehmen, wurden bereits informiert.“

Die Änderung begründet Bereuter unter anderem mit notwendigen Sparmaßnahmen. Das AMS habe beim derzeitigen Fördermodus eine zusätzliche Infrastruktur mitbezahlt. Er betont, die Kinderbetreuungsbeihilfe sei sichergestellt, und signalisiert Bereitschaft zu weiteren Abstimmungsgesprächen mit der Kinderbetreuung Vorarlberg. Bislang förderten Land, Gemeinden und AMS berufstätige Eltern, die eine Tagesmutter in Anspruch nehmen, mit einem einheitlichen Satz. Die Eltern bezahlten einen sozial gestaffelten Beitrag, was darüber hinausging, konnte gefördert werden. Den Anspruch darauf prüfte die Kinderbetreuung Vorarlberg, welche die Tagesmütter beschäftigt. Zudem kümmerte sie sich um die Abwicklung des Förderantrags. „Die Eltern hatten nur einen Ansprechpartner und das Fördersystem war leicht verständlich“, erklärt Harald Köhlmeier seine persönliche Sicht der Dinge.

Im neuen System müssen Eltern, die ihr Kind von einer Tagesmutter betreuen lassen wollen, zuerst die Kinderbetreuung Vorarlberg kontaktieren. An das AMS können sie sich erst mit einer Förderzusage in der Tasche wenden, wobei davor kein aufrechtes Betreuungsverhältnis bestehen darf. Für den Gemeindeverbandspräsidenten ist das ein Rückschritt in alte Zeiten. Der bürokratische Aufwand werde immens, vermutet er. Zudem, befürchtet Köhlmeier, sind zwei Fördersysteme mit unterschiedlichen Fördersätzen und Förderzeiten für Eltern schwer durchschaubar. Er hält die Regelung insgesamt für absurd, auch weil die Zahl der von Tagesmüttern betreuten Kinder mit dem Ausbau von Kindergärten und Kinderbetreuungseinrichtungen ohnehin zurückgehe. „Das AMS erspart sich dadurch schon erhebliche Kosten“, ärgert sich Harald Köhlmeier. VN-MM