Wie Egger Wirte Gasthäuser beleben wollen

13.06.2019 • 11:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Mit einer Musiknacht in acht Lokalen soll Bevölkerung mobilisiert werden.

Egg Das Gasthaussterben in Vorarlberg ist Gesprächsthema. Die Meldungen über Traditionsbetriebe, die ihre Pforten für immer schließen, häufen sich. Die Gründe sind vielschichtig. Vielerorts hat das klassische Wirtshaus seine Funktion als gesellschaftlicher Treffpunkt verloren. „Stammtische wie früher gibt es heute kaum noch“, sagt Luis Weidinger. Der 62-jährige ist Gastronom mit Leib und Seele. In der Bregenzerwälder Gemeinde Egg betreibt Weidinger den Löwen Kässtadel mit großem Festsaal, er ist Miteigentümer der Egger Brauerei und war lange in der Kaufmannschaft engagiert. Dort hat er gemeinsam mit seinen Wirtekollegen vor gut fünf Jahren die Egger Musiknacht ins Leben gerufen. „Wir wollen die Leute motivieren, wieder in Gasthäuser zu gehen“, so der Ideengeber der jährlich stattfindenden Veranstaltung. Was in Städten funktioniert, soll auch in Gemeinden in Talschaften wie Egg möglich sein. Man wolle damit die Geschellschaft fördern, die Menschen vor Fernsehern weglocken. In den letzten Jahren hat das mit unterschiedlichem Erfolg geklappt. Unzufrieden sind die Initatoren nicht. Man habe viele tolle Bands aufbieten können. Das ist auch am kommenden Freitag so, wo ab 20 Uhr in acht Gasthäusern und Bars aufgespielt wird. Ein Taxi-Shuttle bringt die Besucher an ihr gewünschtes Ziel.
Luis Weidinger und seine Wirtekollegen wollen die Gasthaus-Szene in der Bregenzerwäldergemeinde beleben. „Wir wollen die Attraktivität der Gasthäuser steigern“, erklärt er das Engagement. Auch in Egg sperren traditionelle Betriebe zu. „Taube, Post“, zählt Weidinger als Beispiele auf. Andere sind ebenfalls betroffen.

Zukunft ungewiss

„Derzeit sind einige Häuser in der Situation, dass die aktuelle Wirtegeneration in den Ruhestand geht und nicht überall ein Nachfolger bereitsteht“, erklärt der 62-Jährige. Ein Umstand, der auch auf sein eigenes Haus zutrifft. Zwar arbeite eine der Töchter mit, aber ob der Betrieb einen Nachfolger innerhalb der Familie finde, sei derzeit offen. So lange liegt die Verantwortung auf den Schultern des Wirtes. An Pension ist nicht zu denken.
Vieles hat sich in den Jahren geändert. Nach der Essenszeit sind Gasthäuser leer. Es sei selten, dass man danach noch zusammensitze. Die Leute ziehen sich lieber nach Hause zurück. Bekannte treffe man immer seltener. Auch das gemeinsame Musizieren oder eben der Musik zu lauschen, sei seltener geworden. Genau da möchten die Wirte mit ihrer Musiknacht ansetzen. „Wir haben ein Programm zusammengestellt, das musikalisch ein breites Spektrum abdeckt“, so Weidinger. Der Musiknacht biete sich auch dafür an, von einem Ort zum nächsten zu wechseln und mehrere Musikrichtungen zu hören.

Kräftiges Zeichen gesetzt

Luis Weidinger, dreifacher Familienvater, ist selbst leidenschaftlicher Musiker. Seit 50 Jahren spielt er Trompete und ist im örtlichen Blasmusikverein engagiert. „Früher ist auch in den Gasthäusern mehr musiziert worden“, sagt er. Beklagen will sich Weidinger über die Entwicklung aber nicht. Man kann ja etwas dagegen unternehmen. Die acht Wirte aus Egg setzen mit der Musiknacht jedenfalls ein kräftiges Zeichen.

Luis Weidinger

Gastronom, Gesellschafter der Brauerei Egg und Mitinitiator der Egger Musiknacht

Geboren 19.6.1956

Familie dreifacher Familienvater

Hobbys Sport und Musik