Der Rhein fließt unter Dach für die Bevölkerung

14.06.2019 • 17:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Walter Rigger von der FH Vorarlberg und die
Walter Rigger von der FH Vorarlberg und die „Augmented Reality“.

Tag der offenen Tür zu Rhesi in der Dornbirner Versuchshalle.

Dornbirn In der Hochschulstraße 3 in Dornbirn nahe der Fachhochschule fließt heute der Rhein vor Publikum. In der Versuchshalle wird erstmals der nachgebaute Abschnitt des Alpenflusses im unteren Rheintal bis zum Bodensee für die Bevölkerung sicht- und erlebbar.

Im Maßstab 1:50 ist der Rhein von Lustenau/Widnau bis zum Fußacher Durchstich in der riesigen ehemaligen Werkhalle dargestellt. „Das Wasser soll so fließen wie in den Jahren 2000 und 2001, als wir hohe Durchflussmengen verzeichneten. Wir werden dabei feststellen, ob wir dadurch dieselben Veränderungen der Sohle erreichen, wie das damals der Fall war“, erläutert Projektingenieur Bernhard Valenti (45) den Zweck des Experiments. Und weiter: „Decken sich die Daten mit den tatsächlichen Veränderungen von damals, dann wissen wir: Die Simulation funktioniert.“

Rhesi wird geprobt

Noch befinden sich die am Simulationsversuch beteiligten Experten in der Einrichtungsphase des gigantischen Modells. „Es muss alles stimmen, bevor wir mit den wirklichen Versuchen zum Großprojekt Rhein-Erholung-Sicherheit beginnen können“, klärt Markus Mähr (45), Koordinator von Rhesi, auf. Im Herbst soll es dann aber so weit sein. Dann wird Rhesi unter verschiedensten Bedingungen „geprobt“. „Wir sind ja selbst sehr gespannt, welche Tiefstellen sich entwickeln oder was für Kiesinseln durch den Wasserfluss in verschiedener Stärke entstehen werden“, verrät Valenti seine Neugierde.

Viele spannende Fragen

Die Versuche sollen auch darüber Erkenntnisse liefern, wie sich das Geschiebe bei der zu erwartenden Fließgeschwindigkeit bewegt. „Wir wollen beweisen, dass die Sohle nicht höher wird und dass dieses Szenario, welches die Kritiker immer wieder zeichnen, nicht stimmt“, gibt sich Mähr dahingehend optimistisch, dass die bisher getätigten Grundlagenberechnungen ihre Richtigkeit haben.

Weitere spannende Fragen sollen im Verlauf der Simulationen in den kommenden dreieinhalb Jahren beantwortet werden: Zum Beispiel wie sich das Treibholz bei großen Wassermengen verhält oder wie es mit dem Rückstau vom Bodensee aussieht – ein weiteres Szenario, das die Rhesi-Gegner sehr kritisch sehen.

Verschiedene Szenarien

Wasser und naturgetreues Geschiebematerial im Maßstab von 1:50 ist in der Modellhalle ausreichend vorhanden, um die jeweiligen Szenarien darzustellen. Auf das Publikum warten heute nicht nur faszinierende Ansichten eines künstlichen Flusses, sondern auch eine Menge Informationen zu Rhesi und dem Modellversuch auf großen Schautafeln. Mittels Tablet lässt sich eine sogenannte Augmented Reality (erweiterte Realität) darstellen. Damit kann man verschiedenste Orte am Rhein besuchen und sich die verschiedensten Hochwasserszenarien vor Augen führen.

„Wir können die Halle nicht tagtäglich für die Bevölkerung offen halten, weil das die wissenschaftlichen Versuche stören würde“, erklärt Mähr, warum der Zugang zur Halle für Interessierte nicht permanent möglich ist.

Der Modellversuch mit all seinem menschlichen und materiellen Aufwand wird in den vier Jahren 5,1 Millionen Euro kosten. VN-HK

„Der Rhein soll in der Halle so fließen, wie er das bei hohen Abflussmengen schon tat.“

Die neue Kiesanlage für den künstlichen Rhein. Rhesi-Projektleiter Markus Mähr und Kollege Bernhard Valenti freuen sich auf denTag der offenen Tür. VN/Stiplovsek
Die neue Kiesanlage für den künstlichen Rhein. Rhesi-Projektleiter Markus Mähr und Kollege Bernhard Valenti freuen sich auf denTag der offenen Tür. VN/Stiplovsek

Rhesi-Modellhalle

Hallengröße 4700 m2

Modelllänge 100 Meter

Breite 10 Meter

Modellwasserkreislauf 500.000 Liter Wasser

Kosten 5,1 Millionen Euro

 

Tag der offenen Tür am Samstag,
15. Juni, von 11 bis 17 Uhr