Edi Schnetzer ist Moster aus Leidenschaft und Landessieger

14.06.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Edi Schnetzer will den Most wieder in die Gasthäuser bringen.HAB

Edle Tropfen aus heimischen Schätzen.

Bludesch Bei der Landesmostprämierung 2019 wurde Edi Schnetzer aus Bludesch mit seinem „Apfelmost Streuobst“ Sortensieger. Unter 65 Teilnehmern war ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen. Die VN-Heimat traf sich mit ihm zum Gespräch.

Der Most ist ein altes Kulturgetränk. Was können Sie uns dazu erzählen?

Schon die Kelten haben Most getrunken. Allerdings wurde in der Vergangenheit alles gemostet, vom unreifen bis zum faulen Obst, halt alles, was unter den Bäumen gelegen ist. Most war ein Getränk der armen Leute, Bier war zu teuer. Besonders bei der Feldarbeit im heißen Sommer war das säurehaltige Getränk ein guter Durstlöscher.

Wie haben Sie die Leidenschaft zum Mosten entdeckt?

Angefangen hat ein Onkel im Jahr 1960, dann übergab er die Mosterei meinem Vater und schlussendlich habe dann ich übernommen. Damals haben wir noch mit der Packpresse gearbeitet. Bei der Suche nach etwas Leistungsfähigerem sind mein Bruder und ich auf die Zwei-Bandpresse gestoßen. Vor zwei Jahren habe ich dann eine Ein-Bandpresse, die schonender presst, angeschafft. 2018 war dabei ein starkes Jahr, wir haben für uns und Private 50.000 Liter gepresst.

Welche Spezialitäten erzeugen Sie?

Wir produzieren Birnen- und Apfelmost, seit vier Jahren auch unseren Cider (Getränk aus der gleichen Sorte, eine Mischung aus vergorenem und süßem Most). Zudem produzieren wir einen naturbelassenen Apfelessig mit einer speziellen „Mutter“. Der Renner aber in unserer Produktion ist der Haltbar-Süßmost in 3-, 5- und 10-Liter-Boxen und der Apfel- und Johannisbeercider. Im Winter ist der Glühmost eigentlich gar nicht mehr wegzudenken.

Woher bekommen Sie eigentlich das ganze Obst?

80 Prozent kommt aus unserer Region, 20 Prozent aus dem Unterland und dem Bodenseeraum, wobei das Speiseobst nicht die erforderliche Säure enthält. Mit der Regio Walgau und mit der Förderung des Landes produzieren wir den „Walgau-Apelsaft“. Dabei haben wir uns dazu verpflichtet, statt der landesüblichen Preise von 8 bis 10 Cent/kg für gute Qualität 25 Cent/kg zu zahlen.

Wie steht die Gastronomie zum Most?

Früher hat eigentlich jedes Gasthaus Most angeboten. Heute versuche ich die Gastronomie wieder dafür zu interessieren, Most ins Angebot aufzunehmen. Dazu kommt noch, dass durch die Mostkultur auch die Streuobstbestände wieder gepflegt werden. Alte Sorten werden immer mehr gepflanzt. 2018 wurden allein im Oberland durch die Obstbaumförderung 3000 Bäume gekauft und gepflanzt.

Most und die Gesundheit?

Zur Person

Edi Schnetzer

Geboren 21. November 1971

Familie verheiratet mit Simone

Beruf Landwirt und Nebenerwerbsmoster

Hobbys Kühe und Puchmopeds

Der Alkoholgehalt liegt zwischen ca. 5 und 8 Prozent. Vergleichsweise hat Bier ca. 5 Volumenprozentalkohol und Wein ungefähr 12 Prozent. Somit ist der Most der ideale Durstlöscher, mit relativ wenig Alkohol, aber erfrischender Säure und knapp 500 Kalorien pro Liter. Most ist also ein alkoholisches Leichtgewicht, außerdem enthält er keine Harnsäure. Kräuterpfarrer Weidinger empfiehlt den Most vorbeugend gegen Gastritis und Magengeschwüre, ihm wird sogar bei Steinleiden, Hämorrhoiden, Gicht und Rheuma eine heilende Wirkung nachgesagt. Weiters sei Most potenzfördernd, appetitanregend und verdauungsfördernd, belebend und erfrischend, kreislaufstützend, cholesterinsenkend und krebshemmend. HAB