Gericht: Erpressungsfall um Mord und Ehre

Vorarlberg / 14.06.2019 • 11:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Auf der Anklagebank sitzen ein Tschetschene und seine beiden Söhne. EC

Tschetschenische Familie wegen diverser Gesetzesverstöße vor Gericht.

Christiane Eckert

Feldkirch In Feldkirch müssen sich ein 47-jähriger Tschetschene und seine beiden Söhne vor Gericht verantworten. Den Männern wird unter anderem das Verbrechen der schweren Erpressung vorgeworfen. Laut Anklage geht es um einen anderen Landsmann, der in Deutschland in einem Ermittlungsverfahren eine Aussage machte. Eine Aussage, die wiederum einen weiteren, in Deutschland aufhältigen Tschetschenen belastet, der mit einem Tötungsdelikt in Verbindung gebracht wird.

Mord in Deutschland

In Neuulm ist ein Mensch bei einem Attentat auf offener Straße erschossen worden. Die in Vorarlberg wohnhafte Familie soll den Zeugen, der in Deutschland in dem noch nicht abgeschlossenen Ermittlungsverfahren aussagte, unter Druck gesetzt haben. Und zwar mit einem kompromittierenden Video, in dem sich der Mann selbst als Verräter bezeichnen musste. Die Männer sollen 15.000 Euro gefordert haben, anderenfalls wäre das Video veröffentlicht worden. „Damit wäre das Opfer in Tschetschenenkreisen als Verräter dagestanden, quasi vogelfrei gewesen, und jeder hätte mit ihm machen können was er will“, erklärt Staatsanwältin Konstanze Manhart in ihrem Eröffnungsplädoyer.

Dubiose Hintergründe

Die Umstände dieses Falles sind äußerst undurchsichtig, einmal geht es um Autokäufe, dann um verletzte Ehrgefühle. Jeder hat offenbar so seine eigene Geschichte. Einmal muss der Richter den angeklagten Familienvater rügen, er solle sich zusammenreißen und sich nicht so aufregen. Der Ehrbegriff scheint in diesem Verfahren eine große Rolle zu spielen. Ein Video soll angeblich beweisen, wie das Opfer in der Hohenemser Wohnung, wo es hingelockt wurde, unter Druck gesetzt wurde. Angeblich wurden dem Mann auch Substanzen untergejubelt, die ihn dermaßen beeinträchtigten, dass er nurmehr taumeln konnte. Laut Zeuge fürchtete sich dieser dermaßen vor dem Familienclan, dass er sogar in die Hose machte. Der Prozess ist bis Mittag angesetzt, gestaltet sich allerdings äußerst zäh.