Prasselnder Hagel von Schlägen mit dem Regenschirm

Vorarlberg / 17.06.2019 • 22:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mindestens 20 Mal soll der Kontrahent zugeschlagen haben. vn/GS
Mindestens 20 Mal soll der Kontrahent zugeschlagen haben. vn/GS

26-Jähriger bekam bei Prügelei buchstäblich was „aufs Dach“, so klagt er.

DORNBIRN „Ganz offen gesagt, von einem Schmerzengeld werden Sie nie was sehen“, macht der Dornbirner Bezirksrichter Frank Plasinger dem Beschuldigten, der sich auf der Anklagebank selbst als Opfer sieht, wenig Hoffnung auf etwaige Ansprüche. Doch der 26-Jährige bleibt eisern dabei: „Der andere hat den Schirm gezogen! Und damit mindestens 20 Mal auf mich eingeschlagen.“

„Irgendwie blöd erwischt“

Mit „dem anderen“ meint der junge Mann einen Leidensgenossen einer Drogenberatungsstelle. Einer, so süchtig wie er selbst. Und zudem noch angeblich ein Dieb, der damals in seinen Pullover gegriffen und daraus 110 Euro gefilzt habe. „Dann flüchtete er mit dem Fahrrad. Aber ich holte ihn ein. Er stürzte und lag am Boden. Da zog er den Regenschirm aus dem Rucksack und schlug wie wild damit los. Ich habe mich nur verteidigt. Und muss ihn dabei irgendwie blöd erwischt haben“, rechtfertigt der 26-Jährige die doch erheblichen Blessuren, die der Widersacher durch seine angebliche Gegenwehr erlitten hatte. Und ihm selbst eine Anklage wegen Körperverletzung am Bezirksgericht Dornbirn einbrachte.

Für den sechsfach Vorbestraften steht einiges auf dem Spiel. Drei noch offene, bislang bedingt nachgesehene Freiheitsstrafen auf Probezeit hängen wie ein Damoklesschwert über ihm. Im Falle eines Schuldspruchs droht der Widerruf. Dann könnten ihm insgesamt 29 Monate Haft blühen.

Der junge Mann zittert. Denn mit seinen Behauptungen über die angeblichen Schirmattacken seines Kontrahenten, der als Zeuge vor Gericht durch Abwesenheit glänzt, steht er buchstäblich allein im Regen. Weil sein Gegner vor der Polizei etwas völlig Konträres zu Protokoll gegeben hat. Der Richter trägt eine Passage daraus vor und zitiert das angebliche Opfer wörtlich: „Er wollte, dass ich ihm ein Medikament verkaufe. Doch ich habe mich geweigert. Dann ging er auf mich los. Gar nichts habe ich ihm gestohlen! Der ist ein Junkie, nicht im Methadonprogramm und einfach nur schuldig!“ Der Angeklagte quittiert diese Aussagen mit einem Lächeln, wenn auch spürbar entsetzt: „So was von einem Blödsinn! Und vom Schirm steht da gar nichts?“

Noch kommt es zu keinem Urteil. Der Beschuldigte muss vorerst weiter bangen. Denn Richter Plasinger will eine Frau anhören, die damals zur Augenzeugin des Geschehens geworden war und deshalb demnächst eine gerichtliche Vorladung in Händen halten wird. VN-GS