„Das Geheimnis lasst uns künden!“

Vorarlberg / 19.06.2019 • 18:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
VN/Alexander Stoiser

VN/Alexander Stoiser

So beginnt ein eucharistischer Hymnus, den der heilige Thomas von Aquin zum heutigen Hochfest verfasst hat. In diesen wenigen Worten wird in der Tat die ganze Botschaft von Fronleichnam kurz zusammengefasst. Denn natürlich geht es bei der Eucharistie zunächst um ein tiefes und mit unserem Verstand nicht erfassbares Geheimnis, das wir nur dankbar annehmen und voll Freude anbeten können. Denn Jesus selbst hat uns seine Botschaft unmissverständlich verkündet, als er in der sogenannten eucharistischen Rede in Kapharnaum bezeugt hat: „Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.“ Und beim Letzten Abendmahl vor seinem Leiden und Sterben hat er dieses Vermächtnis wahr gemacht und den Jüngern den Auftrag gegeben: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“

So hat denn die Kirche auch von allem Anfang an jeden Sonntag Eucharistie gefeiert,

wie der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther bezeugt: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis. Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: „Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.“

In diesem Sakrament bleibt Jesus allezeit und überall gegenwärtig

Im Gedenken an einen lieben Verstorbenen halten wir Bilder und Gegenstände, die uns an ihn erinnern, in Ehren und schätzen sie. Hier aber ist weit mehr. Denn in den Gestalten von Brot und Wein haben wir nicht nur ein Zeichen , das uns an ihn erinnern soll, sondern in den eucharistischen Gaben ist er wirklich und wahrhaftig mitten unter uns und verbindet sich im Genuss dieser Speise voll und ganz mit uns, so wie die Speisen auch sonst den ganzen Körper durchdringen und ernähren.

Dies feiert daher die Kirche an diesem Tag auf der ganzen Erde voller Freude

Denn wovon das Herz voll ist, davon kann der Mund nicht schweigen. Und so reißen wir an diesem Tag nach alter Tradition die Kirchentüren auf und tragen das heilige Sakrament in feierlicher Prozession in unsere Gemeinden hinaus, vorbei an den Wohnhäusern und Arbeitsstätten, nicht als Demonstration unserer Macht, sondern als Botschaft an alle Menschen, die das annehmen wollen, dass Gott allen Menschen nahe ist, den Familien in unseren Gemeinden, den Alten und den Jungen, den Leistungsfähigen und den Kranken, den Einheimischen und allen, die hier wohnen. Jeder Einzelne soll erkennen, dass er von Gott unendlich geliebt ist, weil sein Sohn für jeden sein Leben hingegeben hat, damit wir Leben in Fülle haben, das er uns in seinem Fleisch und Blut schenkt.

Möge dieser Segen unser ganzes Land und alle Menschen wieder von neuem berühren und die Hoffnung schenken, die wir gerade in dieser Zeit so nötig haben.

Das wünsche ich allen Leserinnen und Lesern von ganzem Herzen. Dazu möchte ich heute noch ein persönliches Wort anfügen. Ich habe durch mehrere Jahre zusammen mit anderen im Wechsel die „Gedanken zum Sonntag“ schreiben und damit meinen eigenen Glauben bezeugen dürfen. Ich habe dies mit großer Freude getan, bin jetzt aber doch froh, dass die Redaktion mich aufgrund meines Alters entlastet und einen Ersatz gefunden hat. So bleibt mir nur noch, mich von ganzem Herzen bei der Redaktion für die gute Zusammenarbeit in all den Jahren zu bedanken. Zugleich möchte ich mich aber auch bedanken bei allen Leserinnen und Lesern für so manche wohlwollenden und auch kritischen Rückmeldungen.