Gericht: Polizisten in den Schwitzkasten genommen

Vorarlberg / 19.06.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Widerstand gegen die Staatsgewalt brachte dem jungen Angeklagten eine unbedingte Geldstrafe ein. ECKERT

3900 Euro plus drei Monate Haft auf Bewährung für 19-jährigen Rabauken.

Christiane Eckert

Feldkirch Beim Plädoyer der Staatsanwältin nickt der junge Erstangeklagte beim Prozess am Landesgericht Feldkirch eifrig. Bei seiner Einvernahme hält er es etwas anders: „Ich schwöre, ich habe nichts gemacht, die wollten mich einfach mitnehmen, dabei war das doch lächerlich.“

Es geht um einen Vorfall vom 12. Jänner dieses Jahres vor einem Bregenzer Lokal, Nähe Bahnhof. Der junge Mann wurde unter anderem wegen lauter Musik gerügt, er zeigte sich höchst ungehalten und provozierte so lange, bis die Polizisten die Festnahme aussprachen. Doch da gab der junge Mann erst richtig Gas und führte sich dermaßen auf, dass eine Unterstützungsstreife angefordert werden musste. Der Großgewachsene ging auf einen der Beamten los und nahm ihn kurzzeitig in den Schwitzkasten. Schlussendlich musste sich der junge Mann geschlagen geben, Handfesseln wurden ihm angelegt, der junge Rabauke mit auf die Wache genommen. Polizisten im Zeugenstand, vier an der Zahl, bestätigen die Vorgänge wie protokolliert. Der junge Mann meint salopp: „Die haben ihre Sichtweise, ich habe halt meine.“

Nicht das erste Mal

Immer wieder macht Richterin Sabrina Tagwercher den jungen Mann auf den Ernst der Lage aufmerksam und fordert ihn auf, sie aussprechen zu lassen. „Es ist bereits das zweite Mal, dass Sie sich mit der Polizei angelegt haben. Ich habe Sie im vergangenen Jahr schon einmal wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt verurteilt“, so die Richterin. „Ich habe Beweise, meine Kollegen haben alles mit dem Handy gefilmt“, hakt der junge Mann nach. Doch das Video ist angeblich unauffindbar. Was den Bregenzer Vorfall im Jänner betrifft, ist also klar: Der junge Mann wird wegen versuchten Widerstandes gegen die Staatsgewalt verurteilt.

Unfriedliche Weihnachtsnacht

Auch in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember fiel der junge Mann unangenehm auf. Der zweite Schauplatz: ein In-Lokal in der Dornbirner Innenstadt. Eigentlich wollte der Bursche nur in Ruhe telefonieren und hielt sich zu dem Zweck in den privaten Büroräumlichkeiten des Lokals auf, was die Geschäftsleitung nicht tolerierte. Sie bat ihn hinaus, als er nicht ging, mit mehr Nachdruck und schließlich mit einem Schubser. Mit Anweisungen hat der 19-Jährige offenbar ein Problem, denn es kam zu einer Rangelei zwischen Lokalchef und Gast, wobei sich der Erstere verletzte. Der Mann brach sich den Mittelhandknochen und zerrte sich den kleinen Finger. Somit zweiter Schuldspruch in Sachen fahrlässige Körperverletzung.

Zwei Angestellte des Dornbirner Lokals werden hingegen freigesprochen. Der Erstangeklagte hatte behauptet, er wäre im Zuge der Streitereien mit Pfefferspray attackiert, geschlagen und getreten worden. Dafür fehlen jedoch die Beweise. Alle Urteile sind nicht rechtskräftig.