Bösch und Spalt für die FPÖ am Start

Vorarlberg / 21.06.2019 • 18:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bösch ist seit 1999 Nationalrat, mit Unterbrechung von 2008 bis 2013.
Bösch ist seit 1999 Nationalrat, mit Unterbrechung von 2008 bis 2013.

FPÖ Vorarlberg möchte zwei Mandatare in den Nationalrat bringen. Bösch für neue ÖVP-FPÖ-Koalition offen.

Dornbirn Die Vorarlberger Freiheitlichen haben ihre Kandidaten für die Nationalratswahl präsentiert. Der aktuelle Nationalratsmandatar Reinhard Bösch wird wie erwartet die Landesliste anführen. Auf Platz zwei folgt der Feldkircher Stadtrat Thomas Spalt, der im Wahlkreis Süd an der Spitze steht. Das Ziel: Beide sollen in den Nationalrat. Landesparteiobmann Christof Bitschi hofft auf einen Zugewinn trotz Ibiza.

Die Vorzeichen für die FPÖ sind bekanntlich alles andere als gut. Nach dem Ibiza-Skandal um Parteichef Heinz-Christian Strache und Klubobmann Johann Gudenus traten beide zurück, anschließend kündigte ÖVP-Chef Sebastian Kurz die Regierung. Bei der Europawahl verlor die FPÖ in Vorarlberg drei Prozentpunkte (von 17,1 Prozent auf 14,1 Prozent), in Österreich 2,5 Prozentpunkte und landete bei 17,2 Prozent. Reinhard Bösch ist dennoch überzeugt: „Wir haben gleich nach Veröffentlichung der Videos Konsequenzen gezogen, zwei führende Politiker sind zurückgetreten.“ Die Wähler hätten das erkannt. Es sei schließlich die ÖVP gewesen, die aus wahltaktischen Gründen die Koalition gesprengt habe.

Somit lebt die Hoffnung auf ein gutes Ergebnis bei der Nationalratswahl am 29. September. Für Bitschi steht fest: „Nach den Turbulenzen sind wir mit Norbert Hofer auf Bundesebene sehr gut aufgestellt.“ In Vorarlberg holte die FPÖ im Jahr 2017 24,4 Prozent der Stimmen, ein zweites Mandat ging sich knapp nicht aus. Reinhard Bösch zog über die Landesliste ein.

Verhandlungssache

Er möchte sich auch auf der Bundesliste um einen wählbaren Listenplatz bemühen, womit der Weg für Thomas Spalt frei wäre. „Die ersten vier Plätze hat der Bundesvorstand schon beschlossen. Dahinter wird noch verhandelt“, erläutert Bösch. Er gibt die Taktik für den Wahlkampf vor: „Wir werden klarmachen, dass die FPÖ in der Regierung der Motor gewesen ist“, und zählt auf: Mindestsicherung, Sozialversicherung, Familienbonus, strenge Migrationspolitik …

Im Wahlkampf in Vorarlberg dürfte Landeshauptmann Markus Wallner zum Ziel werden. Thomas Spalt betont: „Dass er die FPÖ als moralischen Abschaum bezeichnet, ist ein politischer Stil, den ich nicht unterstütze.“ Wallners Absage an eine Zusammenarbeit mit der FPÖ ärgert Bitschi. „Ich warte, wie der Wähler entscheidet. Für Gespräche danach bin ich aber offen.“ Er fährt fort: „Man weiß ja, dass die ÖVP auf Bundesebene mit den Grünen liebäugelt.“ Bösch lässt weitere Themenschwerpunkte durchblicken: Klimaschutz zum Beispiel oder der Schutz von Insekten. „Da ist das Glyphosatverbot nur der Anfang.“

Dass die FPÖ Philippa Strache, die Ehefrau von Heinz-Christian Strache, ins Rennen schickt, möchte er nicht kommentieren. „Das ist die Entscheidung der Wiener Landesorganisation, darauf haben wir keinen Einfluss. Ich nehme es zur Kenntnis.“ Den Umstand, dass Sebastian Kurz nicht ins Parlament eingezogen ist, hingegen schon: „Er ist jetzt auf einem Arroganzweg. Er war wohl nach dem Misstrauensantrag beleidigt, weshalb er das Mandat abgelehnt hat.“ Bösch kann sich dennoch eine Fortsetzung der Koalition vorstellen.

Die Baustelle Götzis ist indes noch offen. Nachdem Bundesrat Christoph Längle zusammen mit der gesamtem Ortsgruppe im Streit die FPÖ verlassen hat, werde derzeit eine neue Ortsgruppe aufgebaut, erklärt Bitschi. Wer Längle im Herbst in den Bundesrat nachfolgt, sei noch offen. VN-mip

„Wir werden klar­machen, dass die FPÖ in der Regierung der Motor gewesen ist.“