Ein Eck Naturschutzgebiet in Lech für Lift geopfert

Vorarlberg / 21.06.2019 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Gipslöcher in Lech zählen zu den schönsten Naturschutzgebieten in der Region. Eines der drei Gebiete wurde nun um 900 Quadratmeter kleiner, weil ein Sessellift darüber führen soll. LECH/ZÜRS-TOURISMUS

Lecher Naturschutzgebiet wurde um 900 Quadratmeter kleiner, damit ein Lift gebaut werden kann.

Lech, Bregenz Es sind nicht immer die großen Vorhaben, die für großen Wirbel sorgen. Manchmal reichen kleine Änderungen. Im Protokoll der Regierungssitzung vom 4. Juni liest sich das so: „Die Verordnung über eine Änderung der Verordnung über das Naturschutzgebiet Gipslöcher Lech wird erlassen.“ Am 13. Juni wurde die entsprechende Verordnung kundgemacht. Ein kurzer Satz, der Naturschutzanwältin Katharina Lins schäumen lässt: „Da wurde still und heimlich ein Naturschutzgebiet verkleinert, damit ein Lift gebaut werden kann.“ 900 Quadratmeter wurden laut Lins herausgenommen, was den Weg für einen neuen Sessellift frei macht. Das wiederum freut Lechs Bürgermeister Ludwig Muxel.

Die Geschichte dahinter: Der Übungslift in Oberlech ist in die Jahre gekommen. Vor einigen Jahren entstand der Plan, den Schlepplift der Grubenalpbahn durch einen längeren Sechserssessellift  zu ersetzen, „speziell so gemacht, dass Kinder gut einsteigen und nicht rausfliegen können“, erklärt Muxel. „Der Übungslift ist 50 bis 60 Jahre alt.“ Der Lift hätte eine Ecke des Naturschutzgebiets „Gipslöcher“ gekreuzt. Ein Gutachten der Bezirkshauptmannschaft (BH) zum Landschaftsbild fiel negativ aus. „Dann hat man der Sachverständigen gesagt, dass sie nur die Auswirkungen auf das Naturschutzgebiet untersuchen soll. Auch dieses Gutachten war negativ“, erklärt Katharina Lins. Die BH habe das Projekt schließlich nicht bewilligt. „Wir haben seit Jänner 2018 offiziell nichts mehr darüber gehört“, sagt Lins.

Lösung gesucht und gefunden

Bürgermeister Muxel erläutert: „Wir haben dann mit der Landesregierung nach einer Lösung gesucht.“ Die scheint gefunden. Am 4. Juni hat die Landesregierung die betroffene Ecke aus dem Naturschutzgebiet herausgenommen. Lins ärgert sich: „Diese Vorgangsweise ist für uns absolut nicht akzeptabel! Dass es politische Gewichtungen zugunsten des Tourismus gibt, ist nichts Neues. Aber solche Prozesse ohne jegliche Transparenz und ohne Berücksichtigung fachlicher Positionen im Hinterzimmer durchzuziehen, ist ganz schlechter Stil.“

Muxel hingegen ist erleichtert: „Für uns ist das eine gute Nachricht.“ Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser bestätigt auf VN-Anfrage den Regierungsbeschluss. „Es stimmt, das Gutachten war negativ. Der Bereich ist am Rand des Gebiets, dort wurde schon jetzt Landwirtschaft betrieben.“ Für weitere Auskünfte verweist Rüdisser an seinen Regierungskollegen, Umweltandesrat Johannes Rauch, der für Naturschutzgebiete zuständig ist. Rauch war am Freitagnachmittag für die VN nicht erreichbar.

Muxel hofft auf einen raschen Bau: „Ich würde mich freuen, wenn das Projekt bald umgesetzt werden kann. Dieses Jahr wird es sich aber wohl nicht mehr ausgehen.“