Bezirksgericht: Mann samt Staubsauger vor die Tür gesetzt

Vorarlberg / 23.06.2019 • 16:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Vorhängeschloss barst beim wuchtigen Tritt des wütenden Verflossenen gegen das Gartentor. SYMBOL

Nach dem Haussegen hing plötzlich auch das Gartentor schief.

Dornbirn Die Glut der Leidenschaft zwischen den beiden ist schon lange erkaltet, doch nun erhitzt eine gerichtliche Auseinandersetzung die Gemüter des 41-jährigen Handwerkers aus deutschen Landen und seiner gleichaltrigen Verflossenen aus Vorarlberg. Es rappelte schon lange böse in der Beziehungskiste und endete schließlich damit, dass die Frau den Mann vor die Tür setzte. Und nicht nur ihn, sondern auch alles, was er im gemeinsamen Haushalt sein eigen nannte. Darunter einen Staubsauger, eine Waschmaschine und etwaige Möbel. Alles landete im Vorgarten und lag dort hinter einem Tor, tagelang und ungeschützt unter freiem Himmel.

Dem 41-Jährigen platzte der Kragen. „Ich empfand das als eine reine Provokation!“, sagt er als Beschuldigter vor dem Bezirksgericht Dornbirn. Als Beschuldigter deshalb, weil er das Gartentor mit einem Tritt aus den Angeln hob, so dass es schief hing.

„Selbst ist die Frau“

Doch getreu dem Motto „Selbst ist die Frau“ machte sich seine Ex-Partnerin an die Reparatur des Tors und schaffte sich ein neues Vorhängeschloss und eine Eisenstange an. Vor Richter Frank Plasinger gibt sie an, dafür insgesamt 200 Euro hingeblättert zu haben. Geld, das sie nun von ihrem Ehemaligen verlangt. Was den Beschuldigten vollends aus der Fassung bringt: „Wie bitte? 200 Euro für eine Stange, die ich um 16 Euro beim Baumarkt kriege, und für ein Vorhängeschloss, das drei Euro wert ist? Dafür kann ich mir ja eine Stange aus Gold kaufen!“, empört er sich.

Von der Polizei ausgelacht

Der Richter bietet eine diversionelle Einigung, also einen Tatausgleich ohne Verurteilung unter der Bedingung an, dass der Mann 120 Euro Gerichtskosten und eine Entschädigung an die Frau in der Höhe von 150 Euro berappt. Doch der 41-jährige hat gerade seinen Job verloren und muss mit AMS-Geld von monatlich 800 Euro auskommen. „Also! Wie soll ich das bezahlen? Nein, ich erkenne nur 60 Euro an“, schmettert er dem Richter entgegen. Überhaupt sei das Ganze eine bodenlose Ungerechtigkeit. „Ich wurde schon von der Polizei ausgelacht, als ich mich wegen der Anzeige beschwerte. Und jetzt soll ich mir auch noch das Geld aus der Tasche ziehen lassen wegen diesem Nullschaden?!“

„Es bringt mir nichts, wenn ich jetzt auch noch kriminell werde.“

Der Beschuldigte

Doch der Richter weicht nicht ab von seinem Kurs. Er stellt den Deutschen noch einmal vor die Wahl: „Diversion oder mögliche Verurteilung – wie entscheiden Sie sich?“ Der Angesprochene kratzt sich nachdenklich am Kopf und sagt schließlich mit einem Knurren in der Stimme: „Es bringt mir nichts, wenn ich jetzt auch noch kriminell werde. Also gut, dann aber bitte in Raten.“ Plasinger ist einverstanden und die Sache damit vom Tisch.