Spektakuläre Skydiving-Szenen am Himmel über dem Rheintal

Vorarlberg / 24.06.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

So viele Figuren wie möglich in knapp 60 Sekunden: Fallschirmspringer aus aller Welt zu Gast am Flugplatz Hohenems.

Hohenems Plötzlich sind sie da: Dutzende bunte Punkte am Himmel, die immer näher kommen und sich beim näheren Hinsehen als geöffneten Fallschirme entpuppen. Seit Montag geben sich am Flugplatz Hohenems einige der weltbesten Fallschirmspringer die Klinke in die Hand. Es gibt drei Teams. Jedes von ihnen besteht aus 32 Teilnehmern und einem Videomann. Ihr Ziel: Gemeinsam im freien Fall so viele Figuren wie möglich zu formen.

Eben sind die beiden Cessna Blackhawk Caravan wieder gelandet, schon warten auf dem Flugfeld die nächsten Passagiere. Jose aus den Niederlanden springt seit über 20 Jahren. Im Jahr 2006 war die 54-Jährige beim Weltrekord für die größte Freifall-Formation mit 400 Springern in Thailand dabei. Am Großformationsspringen in Hohen­ems nimmt sie heuer zum dritten Mal teil. „Die Berge, der Bodensee, die Leute. Es gefällt mir hier und wir machen schöne Sprünge“, schwärmt die Niederländerin.

Von acht bis acht Uhr

Gesprungen wird von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends. Jedes Team absolviert noch bis Freitag täglich bis zu fünf Sprünge. Davor findet ein Briefing mit Trockentraining statt, im Anschluss eine Nachbesprechung samt Videoanalyse. Die größte Herausforderung bei der Disziplin Großformation? „Du darfst keinen Fehler machen, wenn du einen Fehler machst, dann ist die Formation nicht komplett“, verdeutlicht Jose.

Milko Hodgkinson (hier bei der Videoanalyse) hat bereits Tom Cruise trainiert. VN/Lerch

Milko Hodgkinson (hier bei der Videoanalyse) hat bereits Tom Cruise trainiert. VN/Lerch

Betreut werden die Teams von je einem „load organizer“. Einer von ihnen ist  Milko Hodgkinson, seines Zeichens Fallschirmsprungtrainer von Tom Cruise. „Er ist ein wirklich cooler Kerl. Ein Gentleman, talentiert, intelligent, fit und einer der besten Schüler, mit denen ich jemals zusammengearbeitet habe“, fasst Hodgkinson die knapp einjährige Zusammenarbeit im Jahr 2017 mit dem „Mission Impossible“-Star zusammen. Die Dreharbeiten für die Aufnahmen in über 7500 Metern Höhe fanden in Abu Dhabi statt. Da der Sprung bei Sonnenuntergang spielte, hatte die Crew täglich nur wenige Minuten Zeit für den perfekten Schuss. „Wir haben sechs Wochen gebraucht. Entweder hat das Licht nicht gepasst, das Timing oder die Kamera, aber Tom war immer am richtigen Platz“, lobt sein Trainer. Ähnlich heiß wie in der Wüstenstadt ist es dieser Tage in Hohenems – mit einem Unterschied. „Hier arbeite ich mit 32 Kindern“, merkt Milko Hodgkinson mit einem Schmunzeln an.

4400 Meter Höhe

Der „load organizer“ gibt die Formation vor und bildet in der Luft deren Mittelpunkt. „Um ihn herum wird alles aufgebaut, er gibt auch das Zeichen für den Umbau“, erläutert Marcel, der Sohn von Organisator Markus Kordesch. In 4400 Metern Höhe springen alle Teammitglieder auf Kommando aus den beiden Flugzeugen. „Bis alle zusammen sind, dauert es mindestens 20 Sekunden. Anschließend halten sie sich, lassen wieder los und bauen eine andere Formation auf“, ergänzt Marcel.

Ein Highlight sei auch immer der letzte Sprung des Tages, sagt Elliott (32) aus England. Gestern Abend landeten die Springer am See, heute soll es der Fuß der Kanisfluh werden. „Ich war letztes Jahr schon hier. Die Location ist hervorragend, die Organisation fantastisch, die Atmosphäre richtig gut und das Level immer sehr hoch“, meint der Mann im Superman-T-Shirt, ehe er zum nächsten Flug abhebt.

Zwei Cessna Blackhawk Caravan bringen die Teilnehmer in rund 4400 Meter Höhe. VN/Lerch

Zwei Cessna Blackhawk Caravan bringen die Teilnehmer in rund 4400 Meter Höhe. VN/Lerch