Ein ziemlich schräger Vogel

Vorarlberg / 28.06.2019 • 18:21 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Walter Micheluzzi liebt seine beiden Alpakas Bambolino und Nacho. Für sie ließ er vom Künstler Günter Gruber das Andengebirge auf die Stallwand malen.HRJ
Walter Micheluzzi liebt seine beiden Alpakas Bambolino und Nacho. Für sie ließ er vom Künstler Günter Gruber das Andengebirge auf die Stallwand malen.HRJ

Walter Micheluzzi hat sich für ein Leben weit weg vom Schuss entschieden.

Heidi Rinke-Jarosch

hohenweiler Die Parzelle Koo liegt versteckt an einem Ortsende von Hohenweiler. Von der Allgäustraße führt auf der Höhe des Klosters Gwiggen ein aphaltierter, kurviger Feldweg hinein. Etwa einen Kilometer später steht man vor dem Anwesen, das Walter Micheluzzi als Alterswohnsitz nutzt. „Ein bisschen abgelegen“, gibt er zu, „aber schön ist es hier. Und so friedlich.“ Er führt auf die Terrasse. Daneben auf der Wiese rupfen zwei Alpakas Grasbüschel aus und verzehren sie genüsslich. „Bambolino und Nacho“, stellt der 72-jährige Pensionist die südamerikanischen Zuwanderer vor.

Was hat den eigentlich so umtriebigen Mann hierher in die Einöde geführt? „Frieden, Ruhe, meine Tiere“, antwortet Walter Micheluzzi und lächelt verklärt.

Seine Biografie klingt nicht ganz so ruhig wie sein Alltag im Koo. Er kam am 22. Juli 1947 zur Welt und wuchs mit zwei Brüdern in Bregenz auf. „Als Kind hatte ich den Wunsch, Missionar zu werden“, erinnert er sich. „Ich habe ja jahrelang ministriert und war als Mesmer tätig.“ Doch das mit dem Missionar klappte nicht. Er wurde Malermeister. Die Ausbildung hat er im Betrieb des Vaters absolviert. Den hatte indes sein Bruder Kurt übernommen und daraus den „Grünen Micheluzzi“ gemacht. Walter gründete seine eigene Firma – den „Blauen Micheluzzi“. 2007 ging er in Pension. Den Betrieb führt jetzt einer seiner Söhne. „Ich helfe ihm, wenn Not am Mann ist.“

Walter Micheluzzi hat sich schon immer mit vielen Sachen gleichzeitig beschäftigt. Darunter sind einige „verrückte Aktionen“, die ihm den Namen „schräger Vogel“ eingebracht haben, wie er selbst sagt. Zum Beispiel hat er vor 25 Jahren mit dem Schnapsbrennen begonnen. „Ich sammle unterm Jahr neun verschiedene Früchte, meische sie ein, und im Dezember wird gebrannt“, schildert er. Nein, verkauft wird nichts. „Ich verschenke.“

Eine besondere Zuneigung hat Walter Micheluzzi für asiatische Elefanten. „Die hat mich im Jahr 2000 in Thailand gepackt“, erzählt er. Damals habe er einen TV-Bericht über den Deutschen Bodo Jens Förster gesehen, der in Zusammenarbeit mit der Tong Bai Foundation (eine einheimische Elefantenschutzorganisation) in Chiang Mai ein Elefanten-Camp betreibt. „Ich nahm an einer Spezialtour teil. Seitdem habe ich meinen eigenen Elefanten. Er heißt Mao Wa.“ Mit ihm pflege er eine tiefe Freundschaft. „Mao Wa ist ein hochsensibles Tier. Am meisten faszinieren mich seine sprechenden Augen.“

Alpakas, Hühner, Kater

Hier, im Koo, kann er sich keinen Elefanten halten. Leider. Dafür hat der Tierfreund Nacho und Bambolino zu sich genommen. „Zuvor hatte ich Wollschweine. Doch jedes Mal, wenn ich sie zur Schlachtung führte, blutete mein Herz.“ Letztes Jahr sei ihm das so nahegegangen, dass er die Wollschweinezucht aufgegeben habe. Die drei und vier Jahre alten Alpakas dürfen so lange leben, bis sie eines natürlichen Todes sterben. Neben Nacho und Bambolino leben bei Walter Micheluzzi neun Hühner und ein siebenjähriger Kater namens John.

Als ein bisschen verrückt bezeichnet Walter Micheluzzi, der übrigens Mitbegründer des Laientheaters „Spiellust 47“ war, seine Passion fürs Varieté. Vor drei Jahren hat er im oberen Stock des Hauses die Kleinkunstbühne „Koo 18“ eingerichtet. Dort singt, spielt und zaubert er für Familie, Freunde und Freunde von Freunden. Er stellt das „Koo 18“ auch gerne anderen Künstlern zur Verfügung. Aber das werde selten genutzt. Grund: „Es ist zu weit weg vom Schuss.“ So bietet er selbst auf seiner Bühne als Alleinunterhalter kurzweilige Shows, garniert mit kulinarischen Genüssen. Dabei kocht er „mit Ulrike feine Sachen“.

Ulrike ist seine Partnerin. Die Dritte. Mit seiner ersten Ehefrau ist Walter Micheluzzi Vater von drei Söhnen geworden. 2005, drei Jahre nach der Scheidung, heiratete er die Sängerin und Schauspielerin Chantal. „Sie hat mir das Leben gerettet“, sagt er. Im Dezember 2004, kurz nachdem er Chantal kennengelernt hatte, buchte er eine Reise nach Thailand. „Chantal aber wollte nach Norwegen. Ich habe nachgegeben.“ Zum Glück. Nach der Landung in Oslo erfuhr er vom Tsunami in Thailand. „Dort, wo ich gebucht hatte, war alles kaputt.“

Die Ehe mit Chantal hielt zweieinhalb Jahre. „Es war eine wunderschöne, aufregende Zeit. Aber zwei so schräge Vögel wie wir es sind – das ist halt schwierig“, resümiert er.

Ulrike begegnete er im Sommer 1966 bei einem Unterhaltungsabend. Sie tanzten und amüsierten sich. Mehr war nicht. Er hat sie nicht mehr gesehen. Sie war nach Deutschland gezogen. Vor sechs Jahren erfuhr Walter durch Zufall, dass Ulrike in Lauterach bei ihrer betagten Mutter lebte. „Ich rief ich sie an. Ich wollte sie treffen. Ulrike aber meinte, ich soll sie so in Erinnerung behalten, wie sie damals mit 16 war.“ Er bestand indes auf ein Treffen. „Seitdem sind wir zusammen. Mit ihr möchte ich alt werden.“

Zur Person

Walter Micheluzzi

Geboren 22. Juli 1947

Wohnort Hohenweiler

Beruf Malermeister in Pension

Familie Vater von drei Söhnen, Großvater von zwei Enkeln, lebt mit Partnerin Ulrike