Grünzone lässt die Köpfe weiter rauchen

Vorarlberg / 28.06.2019 • 18:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Künftige Nutzung von Grund und Boden gilt in Vorarlberg auch weiterhin als politischer Dauerbrenner. VN/Steurer
Künftige Nutzung von Grund und Boden gilt in Vorarlberg auch weiterhin als politischer Dauerbrenner. VN/Steurer

13 Initiativen fordern Entnahmestopp. Land entschieden dagegen.

Hohenems Eine Allianz von dreizehn Vorarlberger Vereinen und Institutionen ist sich einig: Sie fordert in einem gemeinsamen Moratorium in den nächsten fünf Jahren einen Stopp für die Entnahme von Flächen aus der Landesgrünzone. Martin Strele vom Verein Bodenfreiheit sieht dringenden Handlungsbedarf. Derzeit würden in noch nie da gewesenem Tempo Flächen herausgelöst. Dabei habe das Land im Raumbild 2030 beschlossen, die Grünzone zu erhalten und in ihrer Qualität zu stärken. LH Markus Wallner (VP) warf er gar Unglaubwürdigkeit vor. Und Josef Mathis von vau|hoch|drei erklärte ebenfalls, in der Praxis zeige sich ein  anderes Bild als im Beschluss.

Eine „Nachdenkphase“ fürs Land?

Josef Moosbrugger (VP) schlug als Präsident der Landwirtschaftskammer in dieselbe Kerbe: Die Grünzone sichere die Lebensmittelversorgung, speichere Kohlenstoff, diene dem Wasserrückhalt und der Wärmeregulierung. „Grünzone ist Klimaschutz. Sorgsamer mit Grund und Boden umzugehen, ist ein Gebot der Stunde“, betonte Moosbrugger. Hildegard Breiner, Obfrau des Naturschutzbundes, sprach von einer „Nachdenkphase“ und forderte wörtlich „eine Vollbremsung bei der Grünzonenverbauung.“ Statthalter Karlheinz Rüdisser (VP) lehnt einen Herausnahmestopp entschieden ab. „Dies würde nicht nur langjährige Planungsprozesse von Gemeinden zur künftigen Entwicklung konterkarieren. Es würde für betroffene Unternehmen Stillstand bedeuten und den Standort gefährden.“ Die erhobene Behauptung, wonach Herausnahmen dem Raumbild widersprechen, entbehre jeder Grundlage: „Wortwörtlich heißt es dort: Die Grünzone ist ein außerordentlich wichtiger Freiraum. Sie bleibt in ihrem Zusammenhang weitgehend erhalten. Darüber hinaus sollen Herausnahmen im Allgemeinen nur für Betriebe erfolgen.“ Mit der Herausnahmepolitik habe das Land „mutig Verantwortung übernommen“, sagt Rüdisser und verweist auf die Fakten (Grafik): „Von 13.600 Hektar wurden weniger als 90 Hektar oder 0,65 Prozent in 40 Jahren herausgenommen. Das entspricht einer Reduzierung der Fläche um 0,2 Promille pro Jahr.“ 

„Der rasante Verbrauch von Grünflächen gefährdet eine nachhaltige Entwicklung im Land.“