Das Café Fritz in Bludenz blickt auf eine lange Geschichte zurück

Vorarlberg / 01.07.2019 • 07:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Heute, Montag, 1. Juli, öffnet das Café mit neuem Pächter.BI

Kaffeehauskultur mit Tradition.

BLUDENZ „Im Februar 1929 wurde im neuen Amtsgebäude des Bezirksgerichts und der Bezirkshauptmannschaft auch das Café Fritz untergebracht. Vermittelte schon das riesige Gebäude großstädtisches Flair, so wurde dieses durch das Interieur des Cafés, das Anton Fritz damals hier eröffnete, auf eindrucksvolle Weise verstärkt. Die Einrichtung, von einer Wiener Spezialfirma entworfen und ausgeführt, präsentierte sich dem Besucher als harmonisches Ganzes, das seinesgleichen in Bludenz suchte. Bis in die letzten Details war alles geschmackvoll ausgeführt und der dunkelrote Grundton sorgte für eine wohlig-warme Atmosphäre“, erklärt Historiker Otto Schwald, der sich in seinem Buch „Gaststätten und Hotels in Bludenz“ mit gastronomischen Betrieben von 1880 bis heute auseinandersetzte.

Geschichte

Die Familiengeschichte der Fritz lässt sich bis 1595 zurückverfolgen, so Bruno Fritz, ehemaliger Inhaber der Spenglerei Fritz. Sein Anliegen ist es, die familiäre Genealogie minutiös aufzuarbeiten. Die Familie Fritz stammt aus Lech, das dortige Museum war das Stammhaus. Anton Fritz, 1862 in Lech geboren, war eines von sieben Kindern.

Wende

„Durch die Erbschaftsfolge und die damals übliche Hofteilung, den Napoelonischen Krieg und die Fremdherrschaft durch die Bayern sowie durch einen Vulkanausbruch in Indonesien, dessen Auswirkungen auch in Europa spürbar waren, indem eine Ascheschicht alles bedeckte und es zu einem ‚Jahr ohne Sonne‘ kam, verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse auch innerhalb der Familie Fritz immens. Fünf Söhne, darunter eben auch Anton Fritz, zogen nach Bludenz“, erläutert Bruno Fritz. Sie ließen sich auf der Halde in Bludenz nieder und betrieben dort eine Landwirtschaft. Der Wohnsitz führte dazu, dass die Familienmitglieder als „Haldabura“ bezeichnet wurden. Während drei Brüder nach Amerika emigrierten und sich dort sehr erfolgreich etablierten, machte sich Anton Fritz mit dem Café in der Werdenbergerstraße selbstständig. „Nach dem Café Fritz im Gerichtsgebäude eröffnete Anton Fritz 1934 neben seiner Konditorei ein zweites Lokal. Es ist das älteste noch bestehende Café in Bludenz und trotz kleinerer baulicher Adaptionen behielt es im Inneren mit seinen alten Gewölben weitgehend seinen ursprünglichen Charakter“, führt Otto Schwald weiter aus. Auch eine andere gastronomische Lokalität befand sich im Besitz der Familie Fritz: Die Weinstube in Bludenz wurde von 1949 bis 1977 von Katharina Fritz geführt. In der Bludenzer Mühlgasse befand sich damals zudem die Bäckerei „Zum Haldabur“.

Im Jahr 1977 übernahm Peter Fritz von seinem Vater Anton, dem dritten Konditor gleichen Namens, das Café in der Mühlgasse. Er erinnert sich noch gerne an seine Kindheit als Mühlgässler. Nun ist jedoch eine Auszeit geplant und das traditionsreiche Café Fritz wird, nachdem es vier Generationen lang von der Familie betrieben wurde, vorerst für die nächsten Jahre verpachtet.

Lösung

Mit dem Konditor Mario Kurzamann aus Klösterle konnte eine ideale Lösung gefunden werden. Kurzamann war bislang in der gehobenen Gastronomie in der Bundeshauptstadt tätig und übernimmt ab heute, 1. Juli, das Café Fritz. BI