Ein Landarzt aus Leidenschaft

Vorarlberg / 01.07.2019 • 17:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dr. Franz Josef Ganthaler: Große Verdienste um das Gesundheitswesen.
Dr. Franz Josef Ganthaler: Große Verdienste um das Gesundheitswesen.

Ehrenringträger von Au, Obermedizinalrat Dr. Franz Josef Ganthaler (77) gestorben.

Ernest Enzelsberger

AU Am 21. Juni 2019 ist Obermedizinalrat Dr. med. univ. Franz Josef Ganthaler im Kreis der gesamten Familie friedlich zu Hause verstorben. Er war ein Landarzt aus Leidenschaft.

Dr. Franz Josef Ganthaler war seit 1. Oktober 1971 als Gemeindearzt in Au tätig und hat in zweiter Generation die Praxis seines Vaters übernommen. Dieser hatte am 1. Dezember 1934 dort seine Ordination eröffnet.

Der Verstorbene hat sich mit sehr großem persönlichen Engagement um die medizinische Versorgung der Bevölkerung gekümmert und die laufende Verbesserung des Rettungswesens im Bregenzerwald maßgeblich mitgestaltet. In Würdigung seiner besonderen Verdienste um das Gesundheitswesen wurde ihm 2018 der Ehrenring der Gemeinde Au verliehen.

Dr. Franz Josef Ganthaler wurde am 12. Jänner 1943 in Bregenz geboren und war nach eigenen Worten schon ab dem Alter von vier Jahren begeisterter Visiten-Beifahrer seines Vaters. Und Dr. Ganthaler weiter: „Mein erster Verkehrstoter Ende Juli 1949 in Hopfreben hat mich für mein Leben geprägt. Wahrscheinlich wurde dadurch der Grundstein für meine spätere Begeisterung für die Notfallmedizin gelegt.“

Er besuchte die Volksschule in Au, absolvierte das Privatgymnasium Stella Matutina in Feldkirch und maturierte dort am 2. Juli 1962. Am 22. Oktober 1962 erfolgte die Inskription an der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck. Im Wintersemester 1965/1966 studierte Franz Josef Ganthaler an der Universität Wien und promovierte am 15. Juni 1968 an der Universität Innsbruck zum Dr. med. univ. Im Jahre 1968 heiratete er die Diplom-Krankenschwester Anna Dür.

Er setzte seine Ausbildung in innerer Medizin 1968 bis 1969 an der Universitätsklinik Bürgerspital Basel fort und machte eine freiwillige Anästhesieausbildung. Anschließend folgte die weitere Turnusausbildung am Krankenhaus in Bregenz.

Nach der Übernahme der Praxis seines Vaters führte Dr. Franz Josef Ganthaler in den Siebzigerjahren mit den Behörden einen Kampf um die Erhaltung des Kleinspitals St. Josef, das 1936 von seinem Vater, Pfarrer Schuchter und dem Ausschuss des Krankenpflegevereines Au gegründet wurde. Nachdem ihm mehrfach die Schließung nahegelegt wurde, konnten durch die perfekten hygienischen und sanitären Abläufe sowohl die Entbindungsstation als auch der Kleinspitalbetrieb weitergeführt werden.

Ab 1974 arbeitete Dr. Franz Josef Ganthaler beim Österreichischen Bergrettungsdienst mit und stellte sich als Ortsstellenarzt sowie bei zahlreichen Übungen und Einsätzen in den Dienst dieser Organisation. 1978 wurde er in der Pionierzeit der Flugrettung Flugrettungsarzt.

1977 gründete er die Rotkreuz-Ortsstelle Au und war bis zur Übergabe an seinen Sohn Dr. F. Anton Ganthaler Ortsstellenarzt. Ihm ist das Notarztsystem Bregenzerwald zu verdanken. Als langjähriger Ausbildungs- und Chefarzt war er jahrzehntelang landesweit tätig und ein großer Förderer der Qualität des Rettungswesens. Ab 2003 war Franz Josef Ganthaler Chefarzt des Vorarlberger Roten Kreuzes und wurde mit dem Verdienstkreuz des Österreichischen Roten Kreuzes ausgezeichnet.

Mitte der Siebzigerjahre kam die Gemeinde Warth auf seine Veranlassung zum Gemeindearztsprengel Au, nachdem sie vorher zum Sanitätssprengel Lech gehört hat.

Am 30. Juni 2008 übergab er seine Kassenpraxis an seinen Sohn Dr.med. F. Anton Ganthaler.

Für seine herausragenden Verdienste wurde Dr. Franz Josef Ganthaler 1999 mit dem Titel Medizinalrat und 2016 mit dem Titel Obermedizinalrat ausgezeichnet.

Im Juni 2016 sagte er in einem Interview: „Vor dem Sterben fürchte ich mich nicht. Ich habe das Bild einer stürmischen Nacht mit Blitz und Donner als Bild des Sterbens und die Klarheit eines strahlenden Morgens danach in mir.“