Warum Frauen weniger verdienen

01.07.2019 • 17:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Einkommensschere bleibt: Teilzeitbeschäftigung ist der Hauptgrund.

SCHWARZACH „Bei der Einkommensschere tut sich nicht viel“, sagt die Genderökonomin Christine Zulehner: „Das ist eine zähe Geschichte.“ Die jüngsten Daten unterstreichen dies. Nach Abschluss der meisten Steuerfälle aus dem betreffenden Jahr hat die Statistik Austria soeben die „Integrierte Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2016“ veröffentlicht. Darin ist alles erfasst, von Löhnen und Gehältern, über das Arbeitslosen- und das Pflegegeld bis hin zu Pensionen und Ruhebezügen. Ergebnis: Brutto kamen Frauen in Vorarlberg auf durchschnittlich 21.446,57 Euro im Jahr und Männer auf 38.137,04 Euro; das ist etwa doppelt so viel. Netto ist der Unterschied kleiner, da erreichten Frauen im Schnitt 19.196,17 Euro und Männer 30.500,63 Euro; das ist um gut die Hälfte mehr. Unterm Strich bleibt jedoch die Feststellung der Statistik Austria, dass die Differenz in keinem anderen Bundesland so groß ist wie in Vorarlberg.

Die Einkommensschere lässt sich vielfach darstellen. Auch so zum Beispiel: Mehr als die Hälfte der 146.415 erfassten Frauen im Land müssen sich mit weniger als 20.000 Euro brutto pro Jahr begnügen. Bei den Männern beträgt dieser Anteil ein Viertel von insgesamt 154.444.

Warum bekommen Frauen um so viel weniger Geld? Und warum ist das ganz besonders in Vorarlberg der Fall? Christine Mayrhuber, Arbeitsmarkt- und Einkommensexpertin beim Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO, verweist im Gespräch mit den VN auf die Teilzeitbeschäftigung. Bei Männern liegt der Anteil in Vorarlberg mit acht Prozent unter dem gesamtösterreichischen Wert von elf Prozent, bei Frauen mit 52 Prozent jedoch über diesem (48 Prozent). Sprich: Jede zweite Frau arbeitet hierzulande nicht Voll-, sondern Teilzeit. „Das ist das eine“, so Mayrhuber. „Dazu kommt, dass die Frauen, die Teilzeit arbeiten, in Vorarlberg auf weniger Stunden kommen als in Gesamtösterreich.“

Unterbruch durch Karenzzeiten

Genderökonomin Zulehner, die an der Universität Wien lehrt und forscht, sieht noch einen Grund dafür, dass Frauen schlechter bezahlt werden als Männer; dieser Grund erkläre auch, warum sich größere Unterschiede sogar bei den Stundenlöhnen bemerkbar machten: Karenzzeiten unterbrechen oder beenden viele Frauenkarrieren, sodass sie einkommensmäßig nicht so aufsteigen wie Männer. Außerdem sei gerade auch an den Hochschulen feststellbar, dass Männer in eher besser bezahlte technische Richtungen gehen und Frauen eher in weniger gut bezahlte sozial- und wirtschaftswissenschaftliche.

Das Problem vieler Frauen ist, dass sie aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht Vollzeit arbeiten können, selbst wenn sie es wollten. Die finanziellen Folgen machen sich für sie ein Leben lang bemerkbar. So erreichen sie auch geringere Pensionsansprüche. Laut Zulehner verdeutlicht dies, wie wichtig der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen mit ordentlichen Öffnungszeiten ist.

Bemerkenswert ist bei der Statistik auch Folgendes: 25.000 Euro brutto im Jahr und mehr verdienen überwiegend Männer. In der Spitzenklasse ab 200.000 Euro Gesamteinkommen finden sich in Vorarlberg neben 1060 Männern überhaupt nur 127 Frauen. „Wer betreuungsbedingt zeitlich wenig flexibel ist, kann auf der Karriereleiter nicht so weit hinaufkommen und auch eher nicht zu einem sehr hohen Einkommen gelangen. Das ist kein spezielles Vorarlberger Phänomen“, analysiert Mayrhuber. „Die Arbeitszeit bildet eine gläserne Decke.“ JOH