Wie Franz Michael Felder Dornbirn erlebte

Vorarlberg / 01.07.2019 • 17:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Saskia Reinhard führte die Teilnehmer über den Dornbirner Marktplatz und erzählte über Franz Michael Felder. erh
Saskia Reinhard führte die Teilnehmer über den Dornbirner Marktplatz und erzählte über Franz Michael Felder. erh

Felder-Ausstellung wartet mit spannendem Rahmenprogramm auf.

Dornbirn Die Entfernung von etwa 36 Kilometern wird heutzutage mit dem Auto in rund 40 Minuten zurückgelegt. Zu Franz Michael Felders Zeit war das anders. Einen Tagesmarsch von seinem Heimatdorf Schoppernau im hinteren Bregenzerwald, also etwa achteinhalb Stunden zu Fuß entfernt, lag damals für ihn Dornbirn. Darüber sprach Saskia Reinhard zu Beginn des kleinen Stadtrundgangs. Neben Führungen durch die Ausstellung im Stadtmuseum zum 150. Todestags von Franz Michael Felder (1839-1869) wird ein spannendes Rahmenprogramm geboten.

Als 16-Jähriger, also 1855, schrieb Felder: „Wie gewöhnlich wurden die Kühe, welche wir nicht selbst wintern konnten, auf den zweiten Herbstmarkt nach Dornbirn getrieben. Ich überließ mich daher sorglos der Freude, nun zum ersten Male das viel gerühmte Dornbirn zu sehen, welches in letzter Zeit fast zu einer Stadt herangewachsen sein sollte.“ Den folgenden zahlenmäßigen Vergleich stellte Saskia Reinhard an: „Vor 150 Jahren hatte Schoppernau 500 Einwohner und fast halb so viel, nämlich 235 Kühe. In Dornbirn waren es 2000 Kühe bei 8700 Einwohnern – also in gewisser Weise doch ein Kuhdorf, gemessen an der großen Zahl“, stellte sie fest. Felder erwähnte Dornbirn in seinen Werken „Aus meinem Leben“ und „Sonderling“ sowie in Briefen 23 Mal.

Den Häusern entlang im Schatten gehend, erreichte die kleine Gruppe von Teilnehmern den Marktplatz. Saskia Reinhard vermittelte auch anhand von Bildern, was Franz Michael Felder, auf dem Herbstmarkt angekommen, in etwa gesehen haben könnte. Die Gebäude des heutigen Stadtmuseums und Archivs, die Kirche, das Rote Haus und das Gasthaus und die Brauerei zum Hirschen gab es schon damals. „Das Johann-Luger-Haus“, erläuterte Reinhard, „war ursprünglich der Stadel des links danebenliegenden Hauses und später das Gasthaus Sonne.“

Auf dem Marktplatz befand sich auch der Brunnen samt Waschhaus. Das Gasthaus Scharfeck, das zu Felders Zeit eine besondere Rolle spielte, stand rechts am Eingang zur Riedgasse. Das Scharfeck galt als Mittelpunkt des bürgerlichen Lebens. Dort traf sich auch der Leseverein, der Zeitschriften und Bücher zur Verfügung stellte. „Die Konservativen – es gab immer den Streit mit den Liberalen – hatten davor Angst und sahen Bücher als Bedrohung der sittlichen Werte“, wusste Reinhard. erh

Alte Fotos halfen, Dornbirn mit F. M. Felders Augen zu sehen. erh
Alte Fotos halfen, Dornbirn mit F. M. Felders Augen zu sehen. erh