Historisches Haus muss Neubau weichen

02.07.2019 • 16:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
An der Dr.-Griß-Straße laufen derzeit die Abbrucharbeiten am historischen Gebäude.   egle
An der Dr.-Griß-Straße laufen derzeit die Abbrucharbeiten am historischen Gebäude.   egle

Wo einst das Gasthaus Hecht stand, wird bald auf Miete gewohnt.

RAnkweil Zwischen dem Gasthaus Sternbräu und der Shell Tankstelle geht derzeit ein spektakulärer Abriss vonstatten. Im Haus Dr. Griß-Straße 6 war zuletzt eine türkische Moschee untergebracht, das Gebäude selbst hat aber eine deutlich längere Geschichte vorzuweisen.

Ein genaues Errichtungsdatum ist zwar unbekannt, über lange Zeit war dort aber der Gasthof Hecht untergebracht. Der Beginn des Schankbetriebs im Hecht ist dank der Nachforschungen von Gemeindearchivar Norbert Schnetzer relativ genau nachgewiesen. In einem Schreiben von 1808 ersucht der damalige Besitzer Andreas Bitschi um eine „Schildwirths – und Weinschenkgerechtigkeit“ an und verweist in seinen Ausführungen darauf, dass er bereits seit 20 Jahren einen Beherbergungsbetrieb und einen Ausschank betreibt. Die Wurzeln des Hechts reichen also mindestens bis 1788 zurück. Die offizielle Genehmigung wird dem Wirt zwar zuerst aufgrund der zahlreichen anderen Wirtschaften verwehrt, nach einem Einspruch aber ein Jahr später offiziell genehmigt. Der nächste Besitzer Franz Josef Mayer und sein Sohn Johann Michael betrieben den Gasthof weiter und erweiterten den Hecht um eine Bäckerei. Die weiteren Erben führten den Hecht erfolgreich weiter, in einem Auszug aus dem Rankler Gemeindearchiv, wird der Gasthof, als der „landesweite bekannteste mit hervorragender Küche“ beschrieben. Die Wirtefamilie Mayer konnte Gäste aus der ganzen Welt – belegt durch ein historisches Gästebuch – im Hecht begrüßen. Die aus Bludenz stammende Heimatdichterin Grete Gulbransson geb. Jehly verfasste im Gasthof ihr Werk „Geliebte Schatten“ und bezeichnet den Hecht als das „schönste der ungezählten Rankweiler Wirtshäuser“. Bedingt durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs wird der Betrieb des Hechts aber deutlich schwieriger und schließlich eingestellt.

Ende der 50er-Jahre verkauft die letzte Hechtwirtin Luise Mayer den Gasthof und die Firma Pantex zieht ein und betreibt fortan eine Kleiderfabrik. Durch die Krise der Textilindustrie kommt Ende der 1980er-Jahre das Ende der Produktion. Bevor schließlich eine Moschee einzieht veranstaltet die Marktgemeinde eine Hobbyausstellung mit lokalen Bastlern, Künstlern und Sammlern.

Nun wird das Gebäude komplett abgerissen, an selber Stelle errichtet die Firma Nägele für die Alpila Privatstiftung eine Mietwohnanlage. Zu Details zum Projekt wollten sich weder Stiftung noch Bauunternehmen äußern. CEG

Das Gasthaus Hecht um 1918: Die Wirtschaft sperrte vor 50 Jahren zu. Gemeinde
Das Gasthaus Hecht um 1918: Die Wirtschaft sperrte vor 50 Jahren zu. Gemeinde