Mit Tieren auf Du und Du

02.07.2019 • 16:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Martina Hartmann hält 19 Schafe, 44 Legehennen und 51 Mastküken. Archiv
Martina Hartmann hält 19 Schafe, 44 Legehennen und 51 Mastküken. Archiv

Endlich Bäuerin. Mit 45 wurde Martinas Lebenstraum wahr.

Bartholomäberg. Martina Hartmann (45) könnte sich ein Leben ohne Tiere nicht vorstellen. „Schon als Kind gab es nichts Schöneres für mich als Viecher.“ Das Mädchen konnte seine Leidenschaft für Tiere ausleben. „Meine Freundin kam von einem Bauernhof. Ich habe mitgeholfen, die vielen Tiere zu pflegen.“ Bereits als Volksschülerin wusste Martina, was sie einmal werden wollte: Bäuerin.

Doch zunächst gründete sie eine Familie. Martina schenkte drei Kindern das Leben. Ein Hund komplettierte die Familie. Der Vierbeiner lenkte die Dornbirnerin beruflich in eine neue Richtung. „Ich ließ mich zur Hundetrainerin ausbilden.“ Danach machte sie sich mit einer Hundepension selbstständig. „Die lief super.“ Insgesamt sechs Jahre lang betrieb sie die Pension. Inzwischen waren die Hartmanns sprichwörtlich auf den Hund gekommen. Sie hielten nicht mehr nur einen Vierbeiner, sondern fünf. Martina: „Jeder einzelne war und ist ein guter Freund für mich.“

Hundepfoten auf den Armen

Die dreifache Mutter, die sich auf die Arme Hundepfoten und die Namen ihrer Vierbeiner tätowieren ließ, entwickelte sich beruflich weiter und machte eine Schulung zur Tierarzthelferin. „Dann habe ich ein Jahr bei einem Tierarzt gearbeitet.“ Ihr innigster Wunsch war es aber immer noch, Bäuerin zu werden. Das war auch der Grund, warum sich die Familie jahrelang nach einem Bauernhof umsah. „Wir wollten einen kaufen, aber wenn man kein Landwirt ist, ist das nicht so einfach.“ Die Hartmanns hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben. Aber im Jahr 2017 trat der erhoffte Glücksfall ein. „Die Cousine eines Bekannten wollte ihr Gehöft in Bartholomäberg verpachten. Da kamen wir zum Zug.“ Das Ehepaar war von dem Platz, auf dem das alte Bauernhaus und der Stall standen, sofort angetan. „Es hat meinem Mann und mir gleich gefallen.“Schnell war für die Dornbirnerin klar: „Ich ziehe in das alte Haus und bewirtschafte das 1,7 Hektar große Grundstück auf 1200 Meter Seehöhe.“ Als Erstes nahm die Neo-Montafonerin neun Lämmchen auf, die noch die Flasche brauchten. Die sind ihr mittlerweile so ans Herz gewachsen, dass sie sie nicht hergeben und auch nicht schlachten könnte. Der Kontakt zu den Tieren und ihre Pflege haben Martina von Anfang an viel Freude bereitet: „Mir ist das Allerwichtigste, dass sie bei mir ein schönes Leben haben.“ Als Landwirtin ging für sie ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Kein Wunder, dass sie sich in ihrem neuen Lebensumfeld sofort daheim fühlte. Anfang 2018 ergab sich für die Hartmanns die Gelegenheit, das landwirtschaftliche Anwesen zu kaufen. „Daraufhin haben wir alles abgerissen und ein Haus und einen Stall gebaut.“ Vor einigen Wochen zog das Ehepaar in sein neues Heim ein.

Im Stall herrscht bereits reges Leben. Dort tummeln sich inmitten von viel Stroh 19 Schafe, 44 Legehennen und 51 Mastküken. „Im Herbst schaffen wir uns noch sechs Milchschafe an, damit ich Käse, Joghurt und Butter herstellen kann. Und Schweine zur Mast hätte ich auch noch gerne.“ Die Neo-Bäuerin, die derzeit die Landwirtschaftsschule besucht, hat noch viel vor. „Ich möchte so viel wie möglich für den Eigenbedarf produzieren, damit ich so wenig wie möglich kaufen muss. Vielleicht schaffe ich es auch, dass ich mit der Landwirtschaft einen kleinen Nebenerwerb erwirtschafte.“ Für Martina fühlt sich nun alles stimmig an. „Ich bin am Ziel meiner Träume angelangt.“ Das verdankt sie auch ihrem Mann Harald, der immer alles mitgetragen hat und den es ebenfalls glücklich macht, wenn er in den Stall gehen und sich um die Tiere kümmern kann. „So einen großen Traum kann man nur zu zweit verwirklichen“, meint Martina und verschwindet freudestrahlend im Stall.

Die Hartmanns vor ihrem neuen Anwesen in Bartholomäberg. Vor wenigen Wochen sind sie mit Sack und Pack eingezogen.  Roland Paulitsch
Die Hartmanns vor ihrem neuen Anwesen in Bartholomäberg. Vor wenigen Wochen sind sie mit Sack und Pack eingezogen.  Roland Paulitsch