VN-Sommergespräch mit FP-Chef Christof Bitschi: „Im Herbst werden sich manche wundern“

02.07.2019 • 04:30 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
FOTOS: VN/STEURER

VN-Sommergespräch mit Christof Bitschi (28), Freiheitlicher Landesparteiobmann: FP-Chef attackiert Wallners Ausgrenzungspolitik.

Bregenz Ein Jahr ist ins Land gezogen, seit Christof Bitschi an die Spitze der Freiheitlichen gerückt ist und im Sessel des Landesparteichefs Platz genommen hat. Im VN-Sommergespräch lässt Bitschi erwartungsgemäß kein gutes Haar an der schwarz-grünen Landesregierung, attackiert LH Markus Wallner und bezieht Stellung zum Ibizia-Video.

Herr Bitschi, waren Sie schon einmal auf Urlaub in Ibizia?

Diese Frage wurde in den letzten Wochen vielfach gestellt. Nein, ich war noch nie auf Ibiza.

Wie schlimm ist das Video tatsächlich für die Freiheitlichen?

Das Video war für mich zutiefst schockierend und mir war sofort bewusst, dass es natürlich Konsequenzen geben muss. Am Rücktritt der Herren Strache und Gudenus hat kein Weg vorbeigeführt. Wir führten in der Partei noch am selben Abend Koordinierungsgespräche mit Wien.

Wie koordiniert man sich in einem solchen Fall, ruft da Norbert Hofer bei Ihnen an?

Wir sind relativ unkompliziert aufgestellt. Der Austausch unereinander findet sehr offen statt, unter einem Norbert Hofer noch intensiver. Es gibt fast täglich Kontakt, bei dem wichtige Dinge besprochen werden.

Zurück ins Land: Charakterisieren Sie doch einmal LH Markus Wallner. Was ist das für ein Politiker?

Markus Wallner ist eine Person, die gute Eigenschaften zur Verwaltung des Landes hat. Was ihm allerdings hie und da fehlt, ist der Mut, neue Wege zu gehen. Die Freiheitlichen als Koalitionspartner würden so wie bis vor Kurzem auf Bundesebene auch im Land den richtigen Anreiz bieten.

Markus Wallner stellt eine Reibungsfläche für Sie dar. Was ist eigentlich zwischen Wallner und Ihnen passiert, und würden Sie mit ihm ein kleines Bier trinken?

Wenn es der Landeshauptmann zahlt, trinke ich gerne mit ihm ein kleines Bier. Es war nie so, dass wir uns persönlich nicht verstanden haben und treffen uns oft auf Veranstaltungen. Dass wir über Sachthemen medial öffentliche Diskussionen führen und uns Dinge ausrichten, liegt in der Natur der Sache.

Ist ein Grund für Ihr Verhältnis zu LH Wallner auch darin zu suchen, dass Sie bei Ihrem Antritt als Parteichef eine Zusammenarbeit mit ihm öffentlich verneinten?

Das wurde oft falsch dargestellt. Ich habe nie gesagt, mit Wallner nicht. Ich habe lediglich erklärt, dass sich die Volkspartei im Land in gewissen Bereichen ändern und den Anforderungen der Zukunft anpassen muss. Wenn sie das nicht macht, wird es schwierig, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Dass Wallner jetzt, zu diesem Zeitpunkt, eine künftige Koalition mit uns ausschließt, ist eigentlich der Beweis dafür, dass er sich nicht verändern will. Und eines möchte ich noch dazu sagen: Diese Ausgrenzungspolitik, die Wallner nun betreibt, die bis dato nur die Sozialdemokraten gelebt haben, ist in Wahrheit zutiefst undemokratisch. Er ignoriert damit das Ergebnis der Landtagswahl im Herbst. Wallner hat der Volkspartei einen Ausgrenzungskurs aufgezwungen. Ob damit alle in seiner Partei in Vorarlberg glücklich sind, wage ich zu bezweifeln.

Bietet sich vor diesem Hintergrund für Sie im bevorstehenden Landtagswahlkampf eine härtere Gangart an?

Es hat viele Vorarlberger gestört, wie Markus Wallner eine künftige Koalition mit uns ausgeschlossen hat. Und dass er eine politische Gruppe, Funktionäre und Wähler als politischen Abschaum bezeichnet hat, ist vielen sauer aufgestoßen. Ich habe damals eine Entschuldigung und Klarstellung von ihm verlangt, diese hat es aber nie gegeben. Ich habe in meiner Arbeit bis dato bewiesen, dass ich keiner bin, der persönlich Menschen anpatzt. Das werde ich auch im anlaufenden Wahlkampf so halten. Ich werde ein starkes Team mit Persönlichkeiten wie Daniel Allgäuer und Dieter Egger sowie klare und wichtige Themen positionieren. Wir werden ein Angebot unterbreiten, wie wir Vorarlberg in den wichtigen Positionen wieder zurück an die Spitze bringen. Das ist das, was sich die Vorarlberger erwarten, und nicht das persönliche Anpatzen. Wir würden jedenfalls den nötigen Schwung und Mut wieder in diese Landesregierung bringen.

Wie hoch ist die Latte, die Sie sich bei den LT-Wahlen gelegt haben?

Nach dem Ibiza-Video konnten wir zuerst einmal sämtliche Umfragen und Prognosen in den Mülleimer werfen. Manche haben sogar den Untergang der FP vorhergesagt. Unsere Wähler haben bewiesen, dass wir weit weg von einem Untergang sind. Aber Gegenwind kühlt den Motor: Wenn wir jetzt die Segel richtig setzen, werden wir im Herbstr erfolgreich sein. Die Stimmung, die wir mitbekommen, ist positiv. Im Herbst werden sich manche noch wundern.

Wo sehen Sie die größten Fehler der schwarz-grünen Landesregierung?

Wenn wir fünf Jahre schwarz-grüne Landesregierung beschreiben müssen, so sprechen wir von fünf verlorenen Jahren für Vorarlberg. Es hat sich in wenigen Bereichen etwas weiterentwickelt. Positiv herausgestrichen werden können allerdings die vom Land gesetzten Anreize im Bereich des öffentlichen Verkehrs. Bei den Arbeitsplätzen sind wir allerdings ins Mittelfeld zurückgerutscht. Dasselbe gilt beim Wirtschaftswachstum und bei der Digitalisierung. Der kritischste Punkt sind die explodierenden Kosten bei Mieten und Wohnungen.

Zu den strategischen Möglichkeiten nach der LT-Wahl: An einem LH Wallner dürfte wohl kein Weg vorbeiführen. Was müsste er der FP für einen Regierungposten bereithalten?

Bei der Thematik Landesregierung hat sich aus meiner Sicht etwas verfestigt, das ich immer schon gesagt habe: LH Wallner ist ein Fan einer schwarz-grünen Landesregierung. In Wahrheit hat er die Vorarlberger in den letzten Monaten an der Nase herumgeführt, weil er vor seinem Nein zu einer Koalition mit Bitschis FP stets erklärt hat, dass nach der LT-Wahl im Herbst alles offen ist.

Kurz&Bündig

Nach welchem Motto leben sie?

Mut zur Wahrheit.

Wovor haben sie Angst?

Dass in meiner Familie etwas Schlimmes passieren könnte.

Mit wem würden Sie gerne einen Abend verbringen?

Als Formel-1-Fan mit Kimi Räikkönen.

Bügeln Sie Ihre Hemden selbst?

Wenn ich richtig viel Zeit habe, dann schon.

Was haben Sie zuletzt gekocht?

Pasta mit Tomatensugo.

Welcher Song rettet Sie aus einer Krise?

Der neue Song „Pump it up“ von Andreas Gabalier und Arnold Schwarzenegger.

Was glauben Sie, was Ihre Wähler über Sie sagen?

Ein junger mutiger Typ, der sich den Mund nicht verbieten lässt.

Was bedeutet Ihnen Social Media?

Ein wichtiges Sprachrohr, um unsere Botschaften ungefiltert teilen zu können.

Welches Argument können Sie nicht mehr hören?

Geht nicht, gibt’s nicht.

Zur Person
Christof Bitschi Landesparteiobmann der Vorarlberger Freiheitlichen

Geboren 11. April 1991

Familie ledig

Beruf Geschäftsführer, Martin Bitschi Transporte

Wohnort Brand

Politische Laufbahn 2010 FP-Ortsparteichef Brand, 2013 Obmann Freiheitliche Jugend Vorarlberg; seit 201 Landtagsabgeordneter und seit 2015 Gemeindevertreter in Brand und stellvertretender Bezirksparteichef Bezirk Bludenz; 2016 bis 2018 Vize-Landesparteichef und im Juni 2018 von 97 Prozent der Delegierten zum neuen Vorarlberger FP-Landesparteichef gewählt