Gericht: Zoff und Ohrfeigen im Schlafzimmer

Vorarlberg / 04.07.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte wies vor Gericht jeden Vorwurf vehement von sich. VN/GS
Der Angeklagte wies vor Gericht jeden Vorwurf vehement von sich. VN/GS

48-Jähriger schlug seine Partnerin nicht nur, sondern sperrte sie auch ein. Dafür setzte es 1600 Euro Geldstrafe.

Feldkirch „Ich wollte mit ihm Schluss machen, weil er säuft und eifersüchtig ist!“ Damit bringt die 43-jährige Vorarlbergerin auf den Punkt, was die Lebensgemeinschaft mit ihrem 48-jährigen Partner schlussendlich in die Brüche gehen ließ. Immer wieder kam es zu Spannungen in der Beziehung, die in ausufernde Eskalationen mündeten und schließlich mit einem Prozess am Landesgericht Feldkirch endeten.

Angeklagt sind allerdings beide, denn sowohl er als auch sie werden von der Staatsanwaltschaft mit Vorwürfen konfrontiert. So wird die 43-Jährige beschuldigt, ihren ehemaligen Lebensgefährten in der Tiefgarage gewürgt zu haben. Ihre Rechtfertigung vor Gericht: „Ich habe mich nur gewehrt! Nachdem ich das Auto geparkt hatte, zog er mich an den Haaren und schlug mir mit der Faust ins Gesicht. Ich stieg aus und flüchtete zwischen die Häuser.“

„Watschen ausgeteilt“

Eine weitere Anklage lautet auf Freiheitsentziehung. Demnach war der 48-Jährige mit der Frau im Schlafzimmer aneinandergeraten. „Er hat Watschen ausgeteilt“, sagt sie, „dann stand er vor der Tür und drehte den Schlüssel um.“ Da sich die Wohnung im siebten Stock befand, hätte sie nicht durch das offene Fenster flüchten können.

Als Richter Martin Mitteregger die Ursache für den Zoff ergründen will, wird er mit Aussage gegen Aussage konfrontiert. Während der Angeklagte angibt, Ärger mit dem Bruder seiner Lebensgefährtin sei ausschlaggebend für die hitzige Situation gewesen, gibt sie einmal mehr Eifersucht an und wirft ihm zusätzlich vor, er habe ihr, einer dreifachen Mutter, den Kontakt mit der Familie verboten. Aber immerhin: „Nach einer halben Stunde hat er sich beruhigt, sich entschuldigt und die Tür wieder aufgesperrt“, gesteht die 43-Jährige ein.

Vom Richter zu den Vorwürfen befragt, beschränkt sich ihr Ex-Partner im Wesentlichen auf nur eine Feststellung: „Ich bin unschuldig! Und ich schwöre bei Gott, sie niemals geschlagen zu haben.“ Auf die Frage, wie er sich denn die sichtbaren Prellungen der Frau auf den Polizeifotos erklären könne, stellt er sich ahnungslos: „Die Polizei kann damals gar keine Fotos gemacht haben! Die Beamten waren schließlich nur mit mir beschäftigt.“ Um diese Behauptung zu untermauern, verlangt er prompt eine richterliche Zeugeneinvernahme der Inspektoren.

Telefonische Bestätigung

Richter Mitteregger verzichtet jedoch auf die Ladung der Beamten, sondern ruft noch während der Verhandlung bei der zuständigen Inspektion an. Einer der Sachbearbeiter bestätigt ihm per Telefon, dass das verletzte Opfer kurz nach der Tat in der Wohnung fotografiert worden sei. Damit hat der Angeklagte jede Glaubwürdigkeit verloren. Mit der Begründung „Es wird ihr geglaubt und Ihnen nicht!“ spricht Mitteregger den 48-Jährigen wegen Körperverletzung und Freiheitsentziehung schuldig und verdonnert ihn zu einer Geldstrafe von 400 Tagessätzen zu je vier Euro. Die Frau hingegen spricht er frei.