Schwester Hildegard: Sie ist 82, bekocht aber immer noch die Buben des Internats Marianum

Vorarlberg / 04.07.2019 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Heute gibt es Pizza. Schwester Hildegard rollt den selbst gemachten Pizzateig aus. KUM

Schwester Hildegard sorgt seit 30 Jahren für das leibliche Wohl der Marianum-Schüler.

Bregenz Hildegard Falkner (82) ging noch gar nicht in die Schule, da musste sie bereits ihrer Mutter beim Kochen helfen. „Ich musste die Suppe umrühren und die Bratkartoffeln umdrehen.“ Richtig kochen lernte sie aber erst als Jugendliche bei ihrer Tante, die ein Hotel führte. Falkner unterstützte sie in der Küche und schaute ihr über die Schulter. Die Tante übertrug ihr bald mehr Verantwortung und warf sie sprichwörtlich ins kalte Wasser. Schon da zeichnete sich ab, dass das Kochen sie ein Leben lang begleiten würde. Bevor Falkner ins Kloster ging, arbeitete sie ein Jahr in der Küche eines Altersheimes.

Lange wehrte sie sich gegen ihre geistliche Berufung. Denn: „Ich gehorche nicht gerne. So ein Mensch passt nicht ins Kloster, dachte ich mir. Aber ich hatte eine Eingebung. Die kam nicht von mir. Da beschloss ich, es zu probieren. Ich sagte zum Herrgott: ,Wenn es nicht klappt, bist du schuld.'“ Die Tirolerin schloss sich den Franziskanerinnen in Gaißau an, wohl wissend, dass diese Missionsarbeit in Südamerika leisten. „Ich wollte wie meine ältere Schwester in die Mission gehen. Denn fremde Länder und Kulturen faszinieren mich. Außerdem kann man im Ausland viel Neues sehen und Neues lernen.“ 1962 reiste sie nach Kolumbien und begann in der Küche des Mutterhaus der Franziskanerinnen zu arbeiten. Dem Kloster war ein Mädcheninternat angeschlossen. „Ich habe für 150 Mädchen gekocht.“

Herzliche Kolumbianer

Die junge Frau stand damals vor zwei Herausforderungen. Sie musste die spanische Sprache und die heimische Küche erlernen. Bald hieß es für sie aber wieder Koffer packen. Die Ordensfrau wurde nach Missouri (Nordamerika) in ein Dorf versetzt, wo sie als Köchin in einem Schulinternat gebraucht wurde. Dort lernte sie nicht nur Englisch, sondern auch süß-saure Speisen zuzubereiten. „Nach zwei Jahren schickte man mich zurück nach Kolumbien, in ein Zentrum für deutschsprachige Katholiken. Dort war ich Mädchen für alles.“ In Bogotá fühlte sie sich sehr wohl. „Die Kolumbianer sind sehr herzlich.“ In ihrer Freizeit bestieg die Nonne Berge. Sie bezwang Dreitausender, Viertausender und sogar Fünftausender.

Sie wäre vermutlich heute noch in Bogotá, wenn der Orden sie 1982 nicht nach Europa zurückberufen hätte. „Es war ein Neuanfang. Der ist nie einfach“, gibt sie zu, dass es ihr nach der Rückkehr seelisch nicht so gut ging. Aber wie immer besann sie sich auf den Herrgott. Diesem sei am besten gedient, wenn man die Dinge annehme und das Beste daraus mache. Bevor die Ordensfrau 1989 ans Bubeninternat Marianum in Bregenz wechselte, verwöhnte sie die Gäste des Erholungsheimes Maria Hilf in St. Gallenkirch kulinarisch.

„Nach 30 Jahren weiß ich, was den Buben schmeckt: Pizza, Schnitzel mit Pommes und Spaghetti.“

Schwester Hildegard

Im Marianum zählt die Nonne mit den breit gefächerten Kochkenntnissen zu den wichtigsten Mitarbeitern. Sie sieht das zwar nicht so, aber Fakt ist: Wenn das Essen schmeckt, sind alle zufrieden, die Internats- und Berufsschüler, die Erzieher und die Kinder vom Krankenhaus-Betriebskindergarten. „Nach 30 Jahren weiß ich, was meinen Buben schmeckt. Am liebsten essen sie Schnitzel mit Pommes, Pizza, Spaghetti und Hamburger“, plaudert sie aus dem Nähkästchen.

Falkner kocht jeden Tag für rund 100 Personen. Der Tag der 82-jährigen Köchin beginnt um 6 Uhr. Zuerst hilft sie das Frühstück zuzubereiten, um 8 Uhr beginnen in der Küche bereits die Vorarbeiten für das Mittagessen. Nach dem Mittagessen, um 14.30 Uhr, macht die Küchenchefin Pause. Gegen 17 Uhr beginnt sie aber bereits wieder das Abendessen herzurichten. Um 20 Uhr ist Feierabend. Solange sie dieses Arbeitspensum schafft, möchte sie nicht in Rente gehen. „Was täte ich denn in der Pension? Ich kann doch nicht andauernd herumreisen oder Preiselbeeren für meine Buben sammeln.“

Sr. Hildegard Falkner

geboren 18. März 1937 in Sölden

Wohnort Bregenz

Hobbies Reisen, Häkeln, Sticken,