„Wie Freddy Krueger“

Vorarlberg / 04.07.2019 • 22:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
18 Monate Haft bekam die Angeklagte aufgebrummt. Ihr Anwalt meldete nach dem Urteil Berufung an. CRO
18 Monate Haft bekam die Angeklagte aufgebrummt. Ihr Anwalt meldete nach dem Urteil Berufung an. CRO

Junge Frau stach ihrem Freund mit dem Messer in die Schulter. 18 Monate unbedingte Haft.

Feldkirch Es war eine Beziehung, die beide besser nicht eingegangen wären. Denn er – laut Aussagen seiner Ex-Freundin krankhaft eifersüchtig – wurde äußerst aggressiv, wenn er betrunken war, und sie wusste sich nicht anders zu helfen, als nach einem Messer zu greifen. Die Folge dieser unheilvollen Liaison war eine schwere Stichverletzung, die die 30-jährige zierlich wirkende Feldkircherin ihrem um zwei Jahre älteren Geliebten aus Bürs zufügte. Wie Freddy Krueger aus der berühmten Nightmare-Serie sei sie auf ihn zugegangen, schilderte das Opfer dem Gericht. Die erste Attacke hatte er noch abgewehrt und als er dann auswich hat ihn der zweite Stich in die Schulter getroffen. Der Mann rannte aus der Wohnung, die Nachbarn verständigten die Polizei.

Bevor es zur verhängnisvollen Auseinandersetzung am 2. März dieses Jahres kam, hatten sich beide beim Bludenzer Faschingsumzug vergnügt. Und dabei zu tief ins Glas geschaut. Zur Tatzeit hatte er zwei und sie 1,2 Promille Alkohol im Blut. Was dann genau passierte, klingt in den Ausführungen der beiden völlig anders. Sie spricht davon, dass er sie gepackt, zu Boden gerissen und mit Faustschlägen attackiert habe, sodass sie sich nur befreien konnten, indem sie ihm Pfefferspray ins Gesicht sprühte. Zu Hause angekommen, bedrängte er sie im Bett liegend und schlug mit der Faust gegen ihren Körper. In diesem Moment habe sie den Entschluss gefasst, zum Messer zu greifen. „Dann ist alles sehr schnell gegangen. Im Handgemenge ist das Messer in ihn hineingeflogen“, erklärte die Mutter eines Kindes Richter Martin Mitteregger und den drei Schöffen. Schon ein Jahr zuvor zückte sie gegen ihn ein Messer, beließ es aber bei der Androhung, dass eines Tages Blut fließen werde. Das Opfer hingegen sagte aus, dass er seine Freundin wegen angeblicher Drogenkurier-Fahrten zur Rede gestellt habe. Außerdem hätte er im Spiegelschrank ein Briefchen Heroin gefunden. Es sei richtig, dass er sie deshalb wüst beschimpft habe. Geschlagen habe er sie aber nicht.

Der Messerstich mit der 23,5 Zentimeter langen Klinge hatte Folgen. Der Mann erlitt eine fünf Zentimeter tiefe und drei Zentimeter lange Weichteilschnittverletzung mit arterieller Blutung, die operiert werden musste. Zwei Tage verbrachte er im Krankenhaus. Dass das Messer „so hineingerutscht“ war, schloss Gutachter Professor Walter Rabl aus. Die Frau war sich die Tragweite ihrer Handlung bis gestern nicht bewusst und zeigte auch keinerlei Reue. Verdutzt fragte sie den Richter, der eine 18-monatige unbedingte Haftstrafe aussprach, ob sie nun ins Gefängnis müsse. „Denn das will ich nicht“, meinte sie und Anwalt Alexander Juen meldete Berufung an. CRO