„Leistbarer Wohnbau wird uns noch länger beschäftigen“

05.07.2019 • 17:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gute Erfahrungen mit industrieller Fertigung und Standardisierung. Rauch
Gute Erfahrungen mit industrieller Fertigung und Standardisierung. Rauch

Wohnbaulandesrat Karlheinz Rüdisser zu den Voraussetzungen für günstigen Wohnraum.

Bregenz Leistbares Wohnen ist zweifellos ein zentrales Thema und eine große Herausforderung. Es ist kein Vorarlberger Phänomen, sondern in nahezu allen Regionen mit hoher Lebensqualität und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit anzutreffen. Ein komplexes Zusammenspiel aus z.B. Zinsniveau, Mietrecht, Demografie oder Zustrom in den urbanen Raum hat zu einer stark gestiegenen Nachfrage und den damit verbundenen Preissteigerungen geführt. Hinzu kommt, dass der Grundstücksmarkt vom Angebot her in Vorarlberg natürlich begrenzt ist und zusätzlicher Wohnraum nicht kurzfristig in wünschenswertem Umfang geschaffen werden kann. Einige der Faktoren sind einfacher zu beeinflussen als andere. Es ist natürlich notwendig auch eine Reform des Mietrechts unter Berücksichtigung regionale Rahmenbedingungen einzufordern – konzentrieren sollten wir uns jedoch auf jene Dinge, die wir direkt beeinflussen können.

Die Verfügbarkeit von Grund und Boden spielt dabei eine wichtige Rolle. Ebenso wird sich die künftig die Wohnstruktur weiter verändern, es werden höhere Dichten notwendig sein. Mit der Novelle des Raumplanungs- und Grundverkehrsgesetzes wurden hier wesentliche Schritte gesetzt, beispielsweise durch Bebauungspflicht bei Neuwidmungen oder Verdichtungszonen. Im Bereich der Baukosten können neue Wohnformen und Konzepte Kostenvorteile lukrieren. Die gemeinnützigen Wohnbauvereinigungen haben mit industrieller Fertigung und Standardisierung gute Erfahrungen gemacht und mit Wohnen 500 ein sehr erfolgreiches Projekt realisiert. Auch intelligente Grundrisse tragen zu Einsparungen bei. Die Bauleistung im gemeinnützigen Wohnbau wurde verdoppelt und seit April kümmert sich ein Mitarbeiter im Rahmen von „Sicher vermieten“ um die Aktivierung von Leerstand. Ziel muss es schließlich auch sein, die Bauvorschriften so zu durchforsten, dass kostentreibende Effekte vermieden werden. Mit einer attraktiven Wohnbauförderung sollten möglichst viele in die Lage versetzt werden, Eigentum zu schaffen.

Daneben soll das hohe Niveau an Bauleistung im gemeinnützigen Wohnbau gehalten und möglichst flächendeckend angeboten werden können.

In dieser Breite, kombiniert mit dem Mut, neue Dinge auszuprobieren, wird aus meiner Sicht die Zukunft des leistbaren Wohnens liegen. So manche geäußerte Forderung gaukelt vor, ein komplexes Problem einfach und schnell zu lösen. Ich halte es für seriöser, zu sagen, dass uns leistbares Wohnen noch eine Zeit beschäftigen wird.

Lesen Sie in der nächsten Folge, welche Wohnmodelle die Direktorin des Vorarlberger Architekturinstitutes, Verena Konrad, für zukunftsfähig hält.