Wertschätzung in der Krise

Vorarlberg / 05.07.2019 • 20:34 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Vollbesetzt war der Veranstaltungsraum im Medienhaus beim Vortrag von Reinhard Haller. Vn/steurer
Vollbesetzt war der Veranstaltungsraum im Medienhaus beim Vortrag von Reinhard Haller. Vn/steurer

Der Psychiater und das Wunder der Wertschätzung.

schwarzach Er ist ein Garant für volle Säle, denn auch als Vortragender weiß Reinhard Haller zu begeistern. Seine Bücher sind ebenfalls Bestseller. Das jüngste Werk aus der Feder des renommierten Psychiaters befasst sich mit dem „Wunder der Wertschätzung“. Glücklich sei er mit dem vom Verlag vorgegebenen Titel nicht gewesen, bekannte Haller bei einer Lesung im Medienhaus am Freitagabend. Schließlich gelangte er jedoch zur Einsicht, dass vieles im Zusammenhang mit dem Thema zumindest verwundert, so unter anderem der Umstand, dass zwar jeder Mensch nach Wertschätzung giert, selbst aber kaum imstande ist, sie weiterzugeben. „Dabei ist echte Wertschätzung der mit Abstand beste Motivator“, zitierte Reinhard Haller aus Studien und schickte seine Fachdiagnose gleich nach: „Die Gesellschaft hat eine Wertschätzungsblockade.“

Allein mit dem Problem

Er kennt auch die Gründe: Narzissmus, Coolness, digitalisierte Emotionen, radikalisierte Sprache und ein Ehrbegriff, der weitgehend ausgedient hat. Haller sprach von rückläufigen Empathie-Werten und Emojis, die gerne bei Computernachrichten angehängt werden, aber nie echte Wertschätzung entwickeln, weil Computer das nie können werden, wie er anmerkte. Dabei ist es laut dem Psychiater vor allem die fehlende Wertschätzung, die vielen Menschen das Leben zur Hölle macht. Doch niemand redet darüber. „Die Betroffenen sind allein mit dem Problem“, fasste er das Übel zusammen, das sich schlimmstenfalls in Burnouts, psychischen Leiden oder ungeklärten Suiziden manifestiert. VN-MM