Tiertransporttaskforce verspätet

07.07.2019 • 16:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Landtag behandelte kürzlich den Tätigkeitsbericht der Tierschutzombudsfrau. Kälbertransporte waren das dominierende Thema. VN/Steurer, Archiv
Der Landtag behandelte kürzlich den Tätigkeitsbericht der Tierschutzombudsfrau. Kälbertransporte waren das dominierende Thema. VN/Steurer, Archiv

Vorsitzender schwer erkrankt, Ergebnis im Herbst erwartet.

Bregenz Politik ist Wiederholung, meistens jedoch nicht willkürlich, sondern weil Themen lange Zeit einer Lösung harren. Die Kälbertransporte in Vorarlberg sind so ein Beispiel. Nachdem im April Transporte nach Bozen für kurze Zeit gestoppt wurden, setzte der zuständige Landesrat Christian Gantner (ÖVP) eine Taskforce ein. Sie soll prüfen, wie Transporte reduziert werden können, Empfehlungen ausarbeiten und Alternativen suchen. Ende Mai sollten die Ergebnisse präsentiert werden. Die Frist ist längst verpasst. Der Vorsitzende Josef Troxler musste krankheitsbedingt absagen, Susanne Waiblinger vom Institut für Tierschutzwissenschaften und Tierhaltung der Veterinäruniversität Wien übernahm. Am 19. Juni hat sich die Taskforce zum ersten Mal getroffen, im Herbst sollen die Ergebnisse vorliegen, erklärt Gantner am Rande der jüngsten Landtagssitzung auf VN-Anfrage.

Der Tätigkeitsbericht der Tierschutzombudsfrau stand bei dieser Sitzung auf dem Programm. Das dominierende Thema: die Tiertransporte, wobei sich die bekannten Konfliktlinien auftun. ÖVP-Abgeordneter Bernhard Feuerstein stellt fest: „Wir alle wollen diese Kälbertransporte nicht.“ Das Problem sei, dass gutes Fleisch keinen Absatz in Vorarlberg finde, gleichzeitig würden 70 Prozent des Fleisches importiert. „Ist jetzt der Landwirt der Täter oder das Opfer? Er ist in dieser Situation das Opfer“, sagt Feuerstein. Das Bestreben nach billigen Lebensmitteln gehe auf Kosten der Landwirte.

Handel im Visier

SPÖ-Mandatarin Gabriele Sprickler-Falschlunger ärgert sich über die Auslegung eines Gesetzes durch die ehemalige Ministerin Beate Hartinger-Klein. Demnach zählt die Beförderungsdauer erst ab dem Moment, ab dem alle Tiere eingeladen sind, und endet beim Abstellen des Motors. „Das ist zum Schaden der Tiere und ein Entgegenkommen an die Transporteure.“ Ihre FPÖ-Kollegin Nicole Hosp nimmt den Handel ins Visier und wedelt mit einem Postwurf einer großen Supermarktkette: eine Packung Kalbsbratwürste, zwei Semmel, Senf, um 3,69 Euro. „Qualität kostet etwas. Rabattierungen machen Qualitätsprodukte preislich kaputt.“

Neos-Abgeordneter Daniel Matt ärgert sich über eine Antwort auf seine Anfrage: „Der Landesrat hat offenbar keinen Überblick über die Transportströme.“ Er hat aber auch Lob parat: „Die Zahl der Transportkontrollen ist von 17 im Jahr 2018 auf 25 in den ersten vier Monaten 2019 gestiegen.“ Daniel Zadra von den Grünen nimmt Landwirte in die Pflicht: „Mich hat einer angerufen und wutentbrannt gesagt: Ich soll seine Kälber nehmen, sie hätten bei ihm keinen Platz. Aber ein neugeborenes Tier muss natürlich Platz haben.“ Er hofft zudem, dass die V-Milch bald ein neues Bioprodukt vorstellt. Dies sei noch vor jeder Landtagswahl geschehen.

Landesrat Gantner verspricht: „Ich werde das Ergebnis der Taskforce akzeptieren.“ Näheres gibt‘s im Herbst. VN-mip

„Das ist zum Schaden der Tiere und ein Entgegenkommen der Transporteure.“