Weniger Mindestpensionen

Vorarlberg / 07.07.2019 • 20:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zahl in Vorarlberg seit 2009 stark gesunken. Trendumkehr erwartet.

Schwarzach „Das passt jedenfalls mit dem allgemeinen Rückgang der Armut in Österreich zusammen, den es trotz der schweren Krise ab 2008 im letzten Jahrzehnt gegeben hat“, sagt der Sozialforscher Bernd Marin: Die Zahl der Bezieherinnern und Bezieher einer Ausgleichszulage geht zurück. Österreichweit und auch in Vorarlberg. Hierzulande ist sie seit 2009, als sie 7545 betragen hat, auf 6488 im vergangenen Jahr gesunken – um 14 Prozent also.

Die Ausgleichszulage hat die Funktion, eine Mindestpension zu gewährleisten. Wer selbst weniger Pensionsansprüche erworben hat, erhält sie, um als Alleinstehender auf 933 oder als Ehepaar auf 1399 Euro im Monat zu kommen. Sprich: Dass die Zulage immer weniger gebraucht wird, ist ein Hinweis darauf, dass sich Männer und Frauen aus eigener Erwerbstätigkeit immer höhere Pensionsansprüche erarbeiten. „Die Neupensionen sind deutlich höher als der Durchschnitt aller Pensionen“, bekräftigt Marin im Gespräch mit den VN.

In Vorarlberg gibt es vergleichsweise wenige Ausgleichszulagenbezieherinnen und -bezieher. 2018 fielen 7,3 Prozent der Pensionisten darunter. Das war der niedrigste Anteil bundesweit. Am höchsten war er in der Steiermark und in Kärnten mit 13,2 bzw. 13,5 Prozent. Starke Unterschiede gibt es auch nach Berufsgruppen: Bei den Bauern erhält jeder fünfte Pensionist eine Ausgleichszulage, bei den Arbeitern jeder achte und bei den Angestellten nur jeder dreißigste.

Entwicklung niedriger Pensionen

Christine Mayrhuber vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO hat noch eine Erklärung für den Rückgang der Bezieher: Zu den steigenden Pensionsansprüchen aus eigener Erwerbstätigkeit komme noch die Entwicklung der niedrigen Pensionen hinzu. Sie sind in den vergangenen Jahren stärker angehoben worden als alle anderen. Auch aus diesem Grund fallen immer weniger Leute unter die erwähnten Ausgleichszulagenrichtsätze von 933 Euro für Alleinstehende und 1399 Euro für Ehepaare.

Eine Trendumkehr ist jedoch vorprogrammiert: Die Ausgleichszulagenrichtsätze sollen für Personen mit vielen Beitragsjahren erhöht werden. Bei mindestens 40 Beitragsjahren sollen sie künftig bei Alleinstehenden rund 1200 und bei Paaren rund 1500 Euro netto pro Monat betragen. Damit wird die Zahl der Bezieher wieder steigen. Laut ÖVP und FPÖ sollen immerhin 45.000 Frauen und Männer davon profitieren. Mayrhuber erklärt, dass die Maßnahme eine Antwort darauf ist, dass immer mehr Frauen zwar ein Leben lang arbeiten, das aber oft nur Teilzeit tun. Damit bleiben ihre Pensionsansprüche bescheiden. Sie sollen daher aufgebessert werden. Das sei einerseits vernünftig. Andererseits stelle sich jedoch die Frage, ob diese Form der Armutsbekämpfung Teil der Pensionsversicherung sein müsse. Der Zuschussbedarf zum Pensionssystem, der von vielen Politikern schon heute beklagt wird, wird damit schließlich weiter zunehmen. JOH

„Die Neupensionen sind deutlich höher als der Durchschnitt aller Pensionen.“