„Brutalo-Bande“ vor Gericht

08.07.2019 • 20:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schwurgerichtssaal Feldkirch: Eine ganze Riege von Rechtsanwälten vertrat eine halbes Dutzend Angeklagte. D. Mathis
Schwurgerichtssaal Feldkirch: Eine ganze Riege von Rechtsanwälten vertrat eine halbes Dutzend Angeklagte. D. Mathis

Über 15 Stunden zog sich die Verhandlung gegen die fünf Angeklagten am Landesgericht.

feldkirch Bis kurz vor Mitternacht zog sich gestern der Prozess gegen jene fünf angeklagten Jugendlichen, die im Jänner einen jungen Burschen malträtierten und bei eisiger Kälte auf einem abgelegenen Forstweg liegen ließen. Das Opfer erlitt dabei unter anderem eine schwere Gehirnerschütterung, Prellungen, Quetschungen und einen Nasenbeinbruch. Das Foto, das von der Polizei nach der Tat aufgenommen wurde, zeigte das ganze schockierende Ausmaß der Tat. Das Gesicht war von den zahlreichen Verletzungen völlig angeschwollen. Die Urteile waren bei Redaktionsschluss noch nicht gefällt.

Die Tat, die für das 16-jährige Opfer zum wahren Martyrium wurde, ereignete sich am 22. Jänner dieses Jahres in Frastanz. Drei Jugendliche lockten unter Alkohol- und Drogeneinfluss ihr späteres Opfer unter dem Vorwand, Cannabis zu kaufen, zur Pfarrkirche. Als er nichts bei sich hatte, setzte es zunächst eine Ohrfeige, dann gab es Faustschläge, so dass der Jugendliche aus Mund und Nase blutete.

Dann wurde das Opfer gezwungen, in ein Auto einzusteigen, wo zwei weitere Burschen saßen. Sein blutiges Gesicht musste er sich mit Schnee sauber machen und danach eine Mütze über den Kopf ziehen. Der junge Mann ahnte Furchtbares und hatte Angst um sein Leben. In der Dunkelheit fuhr der voll beladene Wagen in ein Waldstück im Ortsteil Amerlügen. Der 16-Jährige wurde aus dem Fahrzeug gezerrt und verprügelt. Die Gewaltspirale eskalierte, vor allem der 17-jährige Haupttäter war – laut Aussagen seiner „Kollegen“ – nicht zu bändigen und stach mit einem Korkenzieher auf Kopf, Gesicht und Hände ein. Damit die Motorhaube nicht voller Blut wird, kickte ihn einer der Täter mit dem Fuß zu Boden. Anschließend ließen sie ihn bei minus acht Grad auf einem abgelegenen Forstweg liegen. Mit letzter Kraft schleppte sich das Opfer danach zum nächstgelegenen Haus und holte Hilfe.

Keine bleibenden Schäden

Fast ein halbes Jahr später sind die Spuren dieser Verletzungen noch sichtbar. Es ist wohl vor allem der jugendlichen Konstitution zu verdanken, dass die schweren Verletzungen ohne körperliche Nachwirkungen blieben. „Mir geht es gut, aber ob ich das auch seelisch verkraftet habe, kann ich nicht sagen“, ließ das Opfer, das mehrere Tage im Krankenhaus lag, Richterin Andrea Tagwercher wissen. Anwalt Sanjai Doshi fordert jedenfalls 4198 Euro Schadenersatz.

Die fünf Angeklagten, alle im Alter zwischen 17 und 18 Jahren, zeigten sich beim Prozessmarathon, der sich über 15 Stunden erstreckte, wortkarg, mitunter sogar aufmüpfig. Dass es so weit gekommen ist, wollte keiner. Zwei der Angeklagten sind nach dem schrecklichen Ereignis, als sie zu Hause ankamen, nochmals hochgefahren, um zu sehen, ob er noch da liegt. „Die Rettung war aber schon da.“ Sie hätten Angst gehabt, früher einzuschreiten. „Er sei völlig ausgetickt“, meinten sie in Richtung des Hauptangeklagten, der seit der Tat im Gefängnis sitzt. Einer der drei Haupttäter kam mit einem Kuvert mit 900 Euro in den Gerichtssaal, um es dem Opfer zu übergeben. Begleitet mit einem „Entschuldigung“. CRO