Die Kinderbetreuung als kommunale Pflichtaufgabe

08.07.2019 • 17:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine verlässliche Kinderbetreuung auch in Ferienzeiten ist aus Sicht der Arbeiterkammer unerlässlich. Es ist nicht die einzige Forderung. VN/Sams
Eine verlässliche Kinderbetreuung auch in Ferienzeiten ist aus Sicht der Arbeiterkammer unerlässlich. Es ist nicht die einzige Forderung. VN/Sams

Arbeiterkammer fordert das Land auf, hier mehr Verantwortung zu übernehmen.

Feldkirch Bei der Kinderbetreuung agieren viele Kommunalpolitiker immer noch zu engstirnig. Diese Meinung vertritt Arbeiterkammerpräsident Hubert Hämmerle. „Je kleiner die Gemeinden, umso schwieriger ist es für Familien und vollzeitbeschäftigte Eltern, brauchbare Angebote zu finden“, untermauert er seine Kritik. Deshalb hält Hämmerle eine Bündelung der Verantwortung für die Kinderbetreuung dringend geboten.

Die soll das Land übernehmen, um bei Bedarf ein Wörtchen mitreden zu können. Für ihn stellt sich ganz allgemein die Frage, wonach sich die Kinderbetreuung in Vorarlberg richtet: nach der Wirtschaft oder den Bedürfnissen der Eltern und Kinder? Seine Antwort darauf: „Im Mittelpunkt müssen die Kinder stehen. Sie dürfen nicht zu kurz kommen, denn die ersten fünf Jahre gehören zu den wichtigsten Bildungsjahren eines Kindes.“ An diesbezüglichen Forderungen stehen unter anderem eine kostenlose Kinderbetreuung für alle, das Recht auf frühkindliche Förderung ab dem zweiten Lebensjahr sowie die Aufhebung der Betreuungssprengel.

Gesamtkonzept

Nach Ansicht der Arbeiterkammer sollte das Land den qualitativen und quantitativen Betreuungsbedarf der Familien in einem Gesamtkonzept berücksichtigen. Dies müsse vorrangig auf Landes- statt Gemeindeebene passieren. Noch werde viel zu viel kommunal gedacht. Von den daraus resultierenden Lücken im Kinderbetreuungsangebot sieht die AK besonders Alleinerziehende betroffen. „Sie werden derzeit weitgehend alleingelassen.“ Doch nicht nur die Politik ist laut Hubert Hämmerle gefordert. Gleiches gelte für Unternehmen. Sie müssten ihren Aufrufen und Zugeständnissen für mehr Familienfreundlichkeit am Arbeitsmarkt endlich auch Taten folgen lassen, etwa in Form von Betriebskindergärten. „Es gibt hervorragende Beispiele, aber eben viel zu wenige“, merkt Hämmerle an, dass auf dieser Ebene gute Kooperationen möglich wären.

Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt die Kinderbetreuung offenbar nach wie vor eine Hürde dar. Eine repräsentative Umfrage der AK ergab, dass sich 62 Prozent der Eltern mit Kindern bis sieben Jahren eine Verbesserung der Betreuungsangebote besonders während der Ferien wünschen. Ob eine Vollbeschäftigung von Müttern und Vätern gegeben ist, wird auch in den sogenannten VIF-Kriterien definiert. Hier steht Vorarlberg schlecht da. „Laut der aktuellsten Kindertagesheimstatistik der Statistik Austria sind nur rund 35 Prozent der betreuten Kinder von 0 bis 5 Jahren in Einrichtungen, die alle VIF-Kriterien erfüllen“, gibt Hämmerle zu bedenken und noch etwas anderes: „Die Quote der Vollzeitbeschäftigten bei den Frauen sinkt, während jene der Teilzeitbeschäftigten mit der Zahl der Kinder steigt.“ Vielen Frauen drohe damit die Altersarmut. Um das zu verhindern, tritt die Arbeiterkammer für ein verpflichtendes Pensionssplitting ein. Auf freiwilliger Basis sei nichts zu holen, stellt Hämmerle nüchtern fest.

Nicht zuletzt werde eine qualitativ hochwertige und organisatorisch flexible Kinderbetreuung ein immer wichtigeres Argument bei der Suche nach Fachkräften. Solche braucht es bekanntermaßen auch in der Kinderbetreuung, weshalb die Gehälter des Betreuungspersonals jenen der Lehrerinnen und Lehrer angeglichen werden müssten, wie der AK-Präsident meint.

„Von den Lücken im Betreuungsangebot sind vor allem Alleinerziehende betroffen.“