Vorarlberger (50) sitzt in der Türkei fest

Vorarlberg / 08.07.2019 • 17:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mit dem Fall vertraut: Grünen-Politikerin Berivan Aslan. Foto: VN/HB
Mit dem Fall vertraut: Grünen-Politikerin Berivan Aslan. Foto: VN/HB

„Terrorverdachts-Ermittlungen“ gegen 50-jährigen Familienvater aus Bregenz mit kurdischem Migrationshintergrund.

Bregenz, Kayseri Der gebürtige Kurde, aber österreichische Staatsbürger aus Bregenz hatte von seinem Arbeitgeber vor zwei Wochen sieben Tage Urlaub genehmigt bekommen, um seinen kranken Vater in der türkischen Großstadt Kayseri zu besuchen. Wie den VN am Montag von der Grünen-Politikerin und Migrations-Expertin Berivan Aslan bestätigt wurde, war der 50-jährige Familienvater zwar problemlos in die Türkei eingereist, doch noch in der dortigen Klinik festgenommen und für eine Nacht in Untersuchungshaft verbracht worden. Er wurde zwar am nächsten Tag wieder auf freien Fuß gesetzt, darf aber nicht mehr aus der Türkei ausreisen. „Er muss sich jede Woche bei den Behörden melden“, sagte Aslan.

Der Grund: Ermittlungen gegen den Vorarlberger wegen Terrorverdachts. Der Mann engagiert sich in Bregenz für einen kurdischen Verein. „Man hat ihm nach seiner Festnahme Fotos seiner Vereinsaktivitäten vorgelegt“, so die Grünen-Politikerin, die in Kontakt mit seiner Familie in Bregenz steht. Und auch seinem Anwalt in der Türkei. „Es ist nicht absehbar, wann er wieder ausreisen darf. Und es wird wohl noch einige Zeit dauern“, befürchtet Aslan. Der Vorarlberger sei nicht der einzige Fall von österreichischen Staatsbürgern, die in der Türkei festgehalten werden.

Der türkische Innenminister hat gesagt, dass er sich über jeden Kurden freue, der zum Urlaub in die Türkei reist“

Berivan Aslan, Grünen-Politikerin

„Allein im vergangenen September wurde dort über zehn Österreicher ein Ausreiseverbot verhängt. Unter ihnen auch der bekannte Fall des Journalisten Max Zirngast.“

Spitzelwesen und Einschüchterung

Dahinter stecke ein umfangreiches Spitzelwesen, auch in Österreich, fügte die Migrations-Expertin hinzu. Man sei aufgefordert, jeden zu melden, der sich etwa negativ über Erdogan äußere, vor allem über die sozialen Medien. „Der türkische Innenminister hat gesagt, dass er sich über jeden Kurden freue, der zum Urlaub in die Türkei reist“, so Arslan. „Das Ganze ist eine Einschüchterungsmaßnahme. Und es wird noch schlimmer werden, befürchte ich, weil jetzt die Urlaubszeit beginnt.“ Jedenfalls sei die österreichische Botschaft in Ankara eingeschaltet. Aslan fordert innenpolitische Konsequenzen.