Zauberwort „Resilienz“

08.07.2019 • 19:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Milchwirtschaft habe zu der Entwicklung maßgeblich beigetragen, sagt Schneider-Moosbrugger. VN/Steurer
Die Milchwirtschaft habe zu der Entwicklung maßgeblich beigetragen, sagt Schneider-Moosbrugger. VN/Steurer

Naturschutzrat präsentiert Papier für Zukunft der Landwirtschaft.

Dornbirn Der Begriff „Resilienz“ hat derzeit Hochkonjunktur. Egal ob im Ingenieurwesen, in der Energiewirtschaft, Psychologie, Soziologie, Zahnmedizin, Wirtschaft oder im Zusammenhang mit dem Ökosystem. Laut Duden versteht man darunter die „psychische Widerstandskraft“ bzw. die „Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen“. Auch in der hiesigen Landwirtschaft soll „Resilienz“ künftig ein Zauberwort sein.

Der Naturschutzrat Vorarlberg präsentierte am Montag das Strategiepapier „Landwirtschaft.Zukunft.Vorarlberg“. „Wir wollen der Ursache nachgehen, warum einerseits die Schutzgebiete immer größer werden und es andererseits kein Halten beim Tier- und Pflanzensterben gibt“, begründet die Vorsitzende Gerlind Weber. Der Gebietsschutz gehe eindeutig zu kurz. Vorarlberg brauche tiefgreifende, auch ganzheitlich wirkende Strategien. „Es war ein ganz kleiner Schritt, dass die Landwirtschaft als bedeutsamste Flächeninhaberin neben der Forstwirtschaft als Mitverursacherin am rapiden Artensterben und an anderen gravierenden Beeinträchtigungen des natürlichen Haushaltes ausgemacht werden muss“, unterstreicht Weber. Das Strategiepapier soll Handlungsfelder „für mehr Resilienz von Landwirtschaft und Raum“ aufzeigen. „Die kritische Masse der Vorarlberger Landwirte brennt nicht mehr für Mensch und Mitwelt, sondern brennt zunehmend aus im täglichen Kampf um die pure Existenz“, stellt Autorin Maria Anna Schneider-Moosbrugger fest. Es brauche einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft und in der Gesellschaft. Die Unkrautbekämpfung durch Fungizide, Herbizide oder Insektizide sei an ihren Grenzen angelangt. Moore, Auen und Magerwiesen würden dem Intensivierungsdruck kaum mehr standhalten. Wie die Transformation vonstattengehen soll? Eine der Forderungen betrifft die Agrobiodiversität. „Betriebliche Feldforschung und Anbauversuche zu den Potenzialen von alten und neuen Arten, Rassen und Sorten müssen offensiv angegangen werden“, fordert Schneider-Moosbrugger unter anderem. Außerdem müssten die Biodiversitätsverluste gestoppt und die Bodenbewirtschaftung unter den Grundsätzen Bodenfruchtbarkeit und Bodenleben praktiziert werden. Um die Wende zu beschleunigen, brauche es eine radikale Alternative zu den Fördersystemen. Schneider-Moosbrugger schlägt vor, dass für alternative Betriebsmodelle mindestens zehn Prozent des  Landwirtschaftsbudgets zur Verfügung gestellt werden.

Die Strategie bringe keine neuen Erkenntnisse, kritisiert Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger und spricht von unsachlichen Schuldzuweisungen: „Artenverlust und Rückgang an Biodiversität ist nachweislich am stärksten und massivsten durch die Klimaveränderung verursacht. Die Landwirtschaft ist davon direkt und massiv betroffen. Damit wir dieser Herausforderung begegnen können, braucht es eine gemeinsame gesellschaftliche Kraftanstrengung“, entgegnet er. VN-ger