Autoverkehr wird eingebremst

Vorarlberg / 09.07.2019 • 18:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bus und Bahn sind in Vorarlberg auf dem Vormarsch. Auch das Fahrrad gilt im Mobilitätskonzept als wichtige Zukunftssäule. VN/Steurer
Bus und Bahn sind in Vorarlberg auf dem Vormarsch. Auch das Fahrrad gilt im Mobilitätskonzept als wichtige Zukunftssäule. VN/Steurer

Neues Mobilitätskonzept: Öffentlicher Nahverkehr und Fahrrad auf Überholspur.

Bregenz Es ist der letzte große Beschluss in dieser Regierungsperiode. Schwarz-Grün hat einstimmig ein neues Mobilitätskonzept auf den Weg gebracht. Das mit Bürgerbeteiligung in eineinhalb Jahren erarbeitete Konzept soll ein Wegweiser für die nächsten zehn bis 15 Jahre sein. Vorarlberg bewegt sich weg vom individuellen Pkw-Verkehr hin zu sanfter Mobilität. Die Ziele sind ambitioniert. 2030 sollen nur noch 34 Prozent der Wege mit dem Auto zurückgelegt werden. Heute sind es noch über 40 Prozent. Bus, Bahn und Fahrrad sind in Vorarlberg auf der Überholspur. „Wenn das Angebot passt, dann lassen sich die heute mit dem Pkw zurückgelegten Wege reduzieren“, ist Landeshauptmann Markus Wallner (51, ÖVP) überzeugt. Man setze auf Anreize und attraktive Alternativen. Den Individualverkehr durch Verbote zurückzudrängen, sei nicht vorgesehen, so Wallner auf VN-Nachfrage.

Das „Mobilitätskonzept Vorarlberg 2019“ folgt „Mobil im Ländle“. Schon 2006 hatte die damalige Landesregierung Maßnahmen für eine zukünftige Mobilität beschlossen. Das neue Konzept baut darauf auf. Viel habe man im letzten Jahrzehnt bereits erreicht. Mit einer 15-Minuten-Taktfrequenz im Rheintal sei etwa beim öffentlichen Nahverkehr ein urbanes Niveau erreicht, so der Landeshauptmann. Die zurückgelegten Wege mit Bus und Bahn wurden seither von elf auf 14 Prozent erhöht. Die Landesregierung räumt aber auch ein, nicht alle Ziele erreicht zu haben. Die Verlagerung des Güterverkehrs hinkt trotz massiver Investitionen in die Infrastruktur den Vorstellungen hinterher. Allerdings hätten sich auch Rahmenbedingungen geändert. Nicht zuletzt als Folge des Onlinehandels seien vermehrt Paketdienstleister unterwegs.

Für Attraktivität entscheidend

Die letzte Meile im Transport stelle eine erhebliche Belastung dar, so Landesrat Karlheinz Rüdisser (64, ÖVP). Gemeinsam mit der Wirtschaft soll nun ergänzend ein Güterverkehrskonzept entwickelt werden. Auch bei der Verkehrssicherheit ortet die Landesregierung Nachholbedarf. Statt erhoffter rückgängiger Opferzahlen gibt es mehr Unfälle und Verunglückte. Das Augenmerk soll nun auf die schwachen Verkehrsteilnehmer gerichtet werden. Auch die Geschwindigkeitsniveaus müssten überprüft werden, sagt Rüdisser. Die Mobilität jedenfalls sei für die Attraktivität eines Standorts entscheidend.

Bei allen Bemühungen, ein attraktives öffentliches Verkehrsangebot zu schaffen, soll aber auch weiter kräftig in das Straßennetz investiert werden. Die Bauwerke der rund 800 Kilometer Landesstraßen sind in die Jahre gekommen. So liege ein Fokus auf den Brücken. Mit Baumaßnahmen an der S 16, einer Trassenentscheidung der Riedstraße und der Verlagerung des Individualverkehr auf das höhere Straßennetz, hat die Landesregierung auch mit Neubauprojekten eine Entlastung der Bevölkerung im Auge. Rüdisser spricht dabei auch den Ausbau der Autobahnanschlüsse im Rheintal und Walgau an.

„Müssen noch besser werden“

Das neue Mobilitätskonzept trägt auch stark die Handschrift des grünen Regierungspartners. „Wir sind nicht schlecht unterwegs, haben jetzt aber noch deutlich ambitioniertere Ziele definiert“, sagt Umwelt- und Mobilitätslandesrat Johannes Rauch (60, Grüne). So sollen die CO2-Emissionen gegenüber dem Ausgangswert von 2005 bis 2030 um 36 Prozent zurückgehen. „Um das zu erreichen, müssen wir noch deutlich besser werden.“ Man wolle den erfreulichen Trend zum Umweltverbund der Verkehrsmittelwahl weiter verstärken, sagt der Chef der Grünen. Gefordert sei auch der Bund mit einer versprochenen Nahverkehrs-Milliarde. „Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs geht nur mit frischem Geld.“ Er sei jedenfalls davon überzeugt, dass mit einem noch attraktiveren Angebot die Umsteigerbereitschaft weiter steigen werde.

Das jetzt präsentierte Mobilitätskonzept hatte schon im Vorfeld für Unmut gesorgt. Zu wenig weitreichend, um die Klimaziele zu erreichten, kritisierten Umweltschützer. Die Wirtschaft habe genau das Gegenteil gesagt, kontert Landesrat Karlheinz Rüdisser. Man habe nach den Kriterien der Vernunft und Verantwortung mit vorausschauendem Fokus gehandelt, ergänzt Markus Wallner. Die Opposition indes wirft der Landesregierung vor, sich Kritik entzogen zu haben. „Das Mobilitätskonzept hätte im Landtag behandelt werden müssen“, ärgert sich der Neos-Abgeordnete Daniel Matt in einer Aussendung.