Landesgericht: Haftstrafe für 15-jährigen Autodieb

09.07.2019 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der jugendliche Angeklagte erwies sich bis jetzt als unverbesserlich, verspricht aber, sich zu ändern. CRO

15-jähriger Syrer zu neun Monaten Gefängnis verurteilt.

Feldkirch „Was soll ich mit Ihnen tun?“, fragte Richterin Sabrina Tagwercher beim Prozess den angeklagten 15-jährigen Syrer, der im Landesgericht in Feldkirch kein Unbekannter ist.
„Ich weiß es auch nicht“, antwortete der Bursche leise. „Ich bin süchtig nach Autofahren.“ Ein scheinbar unstillbares Verlangen, dem bisher noch nicht einmal eine Gefängnisstrafe Einhalt gebieten konnte. Kaum war der junge Autofreak auf freiem Fuß, katapultierte ihn seine Begierde noch am selben Tag zurück auf die schiefe Bahn.

So wuchs binnen kurzer Zeit wieder eine lange Liste an neuen Vergehen an, über die es ein weiteres Urteil zu fällen galt. Einbruchsdiebstahl, zehn Fahrzeuge unbefugt in Gebrauch genommen, acht Kennzeichen abmontiert, mit fremder Bankomatkarte in einem Tankstellenshop eingekauft und außerdem, während einer Zugfahrt, ein fremdes iphone 6 zerstört.  „Bei Ihnen kommt immer gleich so viel zusammen“, merkte die Richterin an und schloss gleichzeitig weitere Vergehen aus dem Verfahren aus. Diese standen im Zusammenhang mit einer Zweitangeklagten, die derzeit jedoch abgängig ist. Eine anwesende Polizeibeamtin brachte in Erfahrung, dass sie vermutlich nach Tschetschenien gereist ist. Ob freiwillig, sei jedoch nicht klar.

Erneuter Schuldspruch

Wie in jedem vergangenen Prozess entschuldigte sich der Teenager aufs Neue für seinen Rückfall: „Es tut mir von Herzen leid, wenn ich könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen. Ab jetzt werde ich ein besseres Leben führen.“ Das unter Beweis zu stellen, ist vorerst nicht möglich. „An einem neuen Schuldspruch führt kein Weg vorbei“, argumentierte Richterin Tagwercher und verurteilte den Autosüchtigen zu  neun Monaten Gefängnis bei gleichzeitigem Widerruf der bisher auf Bewährung ausgesetzten Strafen. „Sie haben das vergeigt“, setzte sie fort. „Wir haben bereits ausgeschöpft, was möglich war.“ Staatsanwältin Konstanze Manhart und Verteidigerin Christina Lindner gaben Rechtsmittelverzicht ab. Das Urteil ist damit rechtskräftig. Zum Schluss gab Richterin Tagwercher dem Verurteilten noch einen guten Rat mit auf den Weg. „Nutzen Sie die Zeit im Jugendvollzug, holen Sie Ihren Schulabschluss nach und fangen Sie mit einer Lehre an. Die Haftstrafe kann auch eine Chance sein.“ CRO