Der heimliche Star der Gymnaestrada

10.07.2019 • 19:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sobald Simon Pastor in sein Dorli-Kostüm geschlüpft ist, geht die Post ab.VN/Stiplovsek
Sobald Simon Pastor in sein Dorli-Kostüm geschlüpft ist, geht die Post ab.

VN/Stiplovsek

Keiner wird derzeit so oft fotografiert wie Dorli. Ein Blick hinter die Kulissen.

Dornbirn Am Anfang sei es schon etwas komisch gewesen. „Einfach weil du so wenig siehst und es brutal heißt ist. Aber wenn du das Kostüm öfter anhast, dann gewöhnst du dich dran. Du muss nur aufpassen, dass du keine Kinder zusammenrennst“, schmunzelt Simon Pastor, während er in eine etwas überdimensionale Hose steigt. Eine Art Tutu sorgt für die Rundungen. Jacke, Überschuhe, T-Shirt und Handschuhe machen den Look fast perfekt. „Gut schwitz“, wünscht ihm eine Frau, die unten am Eingang sitzt. Jetzt fehlt nur noch der Kopf, dann kann es losgehen. Ab sofort verkörpt der 16-Jährige Dorli, das Maskottchen der Weltgymnaestrada 2019 in Vorarlberg.

Dorli ist eine Kuh, sportlich, aktiv und weltoffen. Durch ihr buntes Fell symbolisiert sie die Vielfalt der teilnehmenden Nationen. Gleichzeitig steht sie für Regionalität und zeigt, aus welchem Land sie kommt. Normalerweise sprechen Maskottchen nicht, verraten nicht, wer im Kostüm steckt. Für die VN hat sie eine Ausnahme gemacht. 

Hauptdorli

Insgesamt gibt es drei Dorli-Kostüme und noch mehr Darsteller. Simon Pastor ist sozusagen das Hauptdorli. Der junge Dornbirner war als Kuh bereits vor der Gymnaestrada bei den Proben dabei, hat für Fotos Modell gestanden und ist auch regelmäßig beim Eltern-Kind-Turnen dabei. In dieser Woche ist er bei den Abendveranstaltungen im Einsatz, bei der Eröffnung und überall dort, wo er sonst noch gebraucht wird. Er winkt, tanzt, begrüßt die Besucher und albert mit den Kindern herum. „Auf der Birkenwiese sind wir sechs Dorli-Darsteller. Das brauchst du, vor allem wenn es heiß ist, dann musst du dich wirklich jede Viertelstunde umziehen“, erzählt der 16-Jährige. 

Es ist Mittwoch, kurz nach 10.30 Uhr. Auf dem Messegelände wuselt es nur so vor Menschen. Sie sind auf dem Weg zu einer Gruppenvorstellung oder kommen gerade von einer. Doch plötzlich wollen alle nur eines: Dorli. Simon Pastor kann kaum einen Meter gehen, ohne angesprochen zu werden. „Hey, Dorli!“ „Cow, cow wait for us.” Die Teilnehmer und Besucher klatschen mit ihm ab, umarmen ihn und zücken die Kameras. „Can I take a picture?“ Simon Pastor sieht die Welt derweil nur durch das Loch in Dorlis Maul.

„Das ist die Kuh“

Wie es sich anfühlt, dass bald in fast jedem Land der Welt ein Foto von ihm hängen wird? Der HTL-Rankweil-Schüler zuckt mit den Schultern. „Das bin nicht ich, das ist die Kuh, die Kuh wird fotografiert“, meint er lapidar.

Als Simon Pastor nach einer knappen halben Stunde das Kostüm wieder auszieht, ist er durchgeschwitzt. Statt Hörnern und weißem Fell trägt er jetzt dunkelbraune Haare, T-Shirt, kurze Jeans und Turnschuhe. Dorli, die Kuh, wandert in den großen, schwarzen Trolley, bis zum Nachmittag, dann wartet der nächste Auftritt. vn-ger