Der Vergewaltigung angeklagt

10.07.2019 • 20:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung fand  im Schwurgerichtssaal am Landesgericht Feldkirch der Prozess gegen einen 18-jährigen Lehrling statt. Hofer
Wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung fand  im Schwurgerichtssaal am
Landesgericht Feldkirch der Prozess gegen einen 18-jährigen Lehrling statt. Hofer

War der Sex erzwungen? Diese Frage beschäftigt das Gericht im Falle eines 18-Jährigen.

feldkirch Der 18-jährige Bregenzer nimmt nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank Platz. Schon im August 2018 musste sich der türkischstämmige Österreicher wegen schwerer Körperverletzung vor dem Strafgericht verantworten. Elf Monate später, bei der Verhandlung im Schwurgerichtssaal am Landesgericht in Feldkirch, kommen gleich mehrere Delikte zur Sprache. Das Verbrechen der Vergewaltigung und das Vergehen der Nötigung. Mitverhandelt wurde auch noch der Tatbestand der gefährlichen Drohung, der aber nichts mit der mutmaßlichen Vergewaltigung zu tun hatte. Der Prozess wurde – wie bei Sexualdelikten üblich – unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Urteil gab es am Mittwoch jedoch noch keines.

Vertrauen missbraucht

Die vorgeworfene Tat geschah an einem Abend im August des vergangenen Jahres. Das spätere Opfer traf sich mit dem Freund in spe in dessen Wohnung. Auch der Angeklagte war mit von der Partie. Die perfekte Gelegenheit für das Trio, sich Videos reinzuziehen und sich besser kennen- und vielleicht auch lieben zu lernen. Man verstand sich gut, redete über alles Mögliche. Beim gemeinsamen Broteschmieren vertraute die junge Frau dann dem 18-Jährigen unter vier Augen ein Geheimnis an. Es ging wohl darum, dass sie mit jemandem Sex gehabt hatte. Diese Offenheit war ein fataler Fehler, wie sie später feststellen sollte. Denn als ihr „Fast-Freund“ eingeschlafen war, nutzte der Angeklagte die Situation aus und setzte die Frau unter Druck. „Ich werde es deinen Eltern und deinen Freunden erzählen, damit jeder denkt, dass du eine Schlampe bist.“ Mit dieser Drohung erpresste der Lehrling laut Anklage sexuelle Handlungen von seinem Opfer. Er packte die Frau am Haaransatz und zwang sie zum Oralsex. Später verlagerte sich der Tatort ins Elternschlafzimmer, wo es auch zum Geschlechtsverkehr kam, schilderte die Staatsanwältin Konstanze Manhart vor Richter Richard Gschwenter.

Das Opfer ließ es über sich ergehen, weil es Angst hatte, dass der mutmaßliche Täter seine Drohung wahrmachte. Die Frau fürchtete ihren „Fast-Freund“ dadurch zu verlieren. Erst als dieser aufwachte und dazwischen ging, hörte der Angeklagte auf.

Aussage gegen Aussage

Der Anwalt des Beklagten zweifelte die Aussagen der jungen Frau an, zumal sein Mandant behauptete, dass sie den Sex wollte. Es gab auch keinerlei Verletzungen. „Es steht Aussage gegen Aussage“, appellierte Anwalt Manfred Keller, den Mann nicht zu verurteilen. „Denn das darf nur geschehen, wenn die Tat zweifelsfrei nachgewiesen werden kann.“ Schließlich stehe die Zukunft eines jungen Menschen – eines Lehrlings – auf dem Spiel. Das Gericht vertagte vorerst auf den kommenden Montag. CRO