„Meinem Freund ist es egal, dass ich im Rollstuhl sitze“

Vorarlberg / 11.07.2019 • 18:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tamara mit ihrem Lebensgefährten Kurt. Sie sind seit neun Jahren ein Paar. KUM
Tamara mit ihrem Lebensgefährten Kurt. Sie sind seit neun Jahren ein Paar. KUM

Tamara Voppichler meistert ihr Handicap-Leben. Demnächst will sie ihren Partner heiraten.

Bregenz Tamara Voppichler tritt ihren Dienst im Landeskrankenhaus Bregenz an. Dort arbeitet die 40-jährige Bregenzerin seit einigen Monaten. „Ich fahre durchs Haus, hole die Post aus den Büros und bringe sie in den Keller, wo sie sortiert wird“, gibt sie Einblick in ihre Arbeit.

Die große Liebe

Der Job gefällt der körperbehinderten Frau. „Diese Arbeit ist nicht langweilig. Ich kann mir vorstellen, das bis zur Pensionierung zu machen.“ Obwohl Tamara nicht gehen kann und auf den Rollstuhl angewiesen ist, kann sie ein weitgehend selbstständiges Leben führen. Nur bei der Körperpflege braucht sie Hilfe. Deswegen lebt sie in einer betreuten Wohnung. Dort bekommt sie die Unterstützung, die sie braucht. Im Alltag behilflich ist ihr auch ihr Lebensgefährte Kurt (49). „Er geht einkaufen und kocht jeden Abend für mich. Er hat sogar extra wegen mir einen Kochkurs besucht“, erzählt sie mit strahlenden Augen. Kurt will sie auf keinen Fall mehr hergeben. „Er ist derjenige, der bei mir bleiben muss. Denn er kümmert sich um mich und nimmt mich so, wie ich bin. Ihm ist es komplett egal, dass ich im Rollstuhl sitze.“ Kurt ist ihre große Liebe. Ihn möchte sie demnächst heiraten. Selbst Kinder kann sie sich mit ihm vorstellen. Tamara lernte ihren Partner vor neun Jahren in Spanien kennen. Er war wie sie mit dem Verein Möwe auf Reisen gegangen. Dieser Dornbirner Verein ermöglicht Menschen mit Behinderungen Urlaubs- und Freizeitaktivitäten.

Gerne auf Reisen

„Auf dem Schiff hab ich in einem Buch gelesen; als ich es kurz weglegte, fand ich später eine Hibiskus-Blüte zwischen den Seiten.“ Es stellte sich heraus, dass Kurt sie heimlich hineingelegt hatte. Die Bregenzerin fand es seltsam, dass er sich gerade in sie verliebte. „Es waren noch einige andere Frauen auf dem Schiff.“ Tamara reist überhaupt gerne. „Es gefällt mir, neue Länder und Kulturen kennenzulernen.“ Für Rollstuhlfahrer sind jedoch weder die Ferien noch der Alltag leicht zu bewältigen. „Ich kenne es aber nicht anders“, sagt sie und erzählt weiter.

„Als Baby litt ich an Epilepsie. Eine Kinderärztin hat mir in der Klinik in Innsbruck ein Gegenmittel in den Kopf gespritzt, genau in jenen Gehirnbereich, der für das Gehen zuständig ist.“

In die Mitte genommen

Als Kind machte es sie traurig, wenn sie draußen im Freien andere Kinder herumspringen sah. „Aber geweint habe ich deswegen nicht oft.“ Tamara war kein unglückliches, sondern ein fröhliches Kind. „Ich hatte eine schöne Kindheit und habe mich nie ausgegrenzt gefühlt.“ Ihre zwölf Geschwister bemühten sich um sie. „Sie spielten mit mir Karten oder nahmen mich mit ins Konzert. Ich gehörte und gehöre dazu.“ Auch von ihren Mitschülern wurde sie in die Mitte genommen. „Ich hatte viele Freunde in der Schule.“ Weil immer jemand da war, der sie auffing, haderte Tamara nicht mit ihrem Schicksal. Aufgeben war für sie deshalb auch nie eine Option. Ihr ist aber bewusst, dass nicht alle körperbehinderten Menschen mit ihrem Leben so gut zurande kommen wie sie. „Ich kenne einige, die sich aufgegeben haben. Ihnen versuche ich Mut zu machen. Wenn ich mein Leben im Rollstuhl meistere, können sie es auch schaffen.“ VN-Kum