Weil der Mieter nicht zahlt: Christine Ender weiß sich keinen Rat mehr

11.07.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seit fünf Monaten wartet die 68-jährige Altacherin auf die Miete. Um über die Runden zu kommen, muss sie auf Erspartes zurückgreifen. VN/PAULITSCH

Nach mehrmonatigem Mietausfall steht 68-jährige Altacherin finanziell selbst mit dem Rücken zur Wand.

Altach Christine Ender hat auf einem A4-Zettel penibel alle Zahlungen dokumentiert. Nur ein einziges Mal sei das Geld pünktlich gekommen, klagt sie. Die letzte Überweisung liegt bereits fünf Monate zurück. Sie erlebe den „Vermieter-Albtraum“ ohne Aussicht auf ein rasches Ende. Statt Mieteinnahmen nichts als Ärger, schildert die 68-Jährige ihre verzweifelte Lage. Dabei würde sie das Geld dringend brauchen.

Vor 18 Jahren hat die frühere Lehrerin und Kindergärtnerin gemeinsam mit ihrem Mann in ruhiger Altacher Wohnlage mit dem Hausbau begonnen. Mit 50 Jahren sollte es ein großzügiger Alterssitz werden. Ein Schicksalsschlag änderte alles in Sekunden. „Der Rohbau war gerade fertig, als mein Mann an einem Herzinfarkt verstarb.“ Jetzt war nichts mehr wie davor. Um die Finanzierung des Bauvorhabens zu sichern, plante Christine Ender um. Eine Einliegerwohnung sollte als Lösung her. „Die Mieteinnahmen brauche ich, um das Haus abzuzahlen.“

Mieter ist pleite

Viele Jahre ging der Plan auf. Wenngleich auch immer wieder kleinere Ausfälle zu beklagen waren. Im September 2017 hat Ender die 80-Quadratmeter-Wohnung neu vermietet. Eloquent und selbstbewusst sei der Interessent bei der Wohnungsbesichtigung aufgetreten. Den Zuschlag bereut sie allerdings bis heute. 950 Euro Monatsmiete sind vertraglich vereinbart. Schon die erste Zahlung kam spät. Mittlerweile ist der Mieter pleite. Nur die Wohnung wolle er partout nicht verlassen.

Die finanzielle Lage der alleinstehenden Pensionistin spitzt sich zu. Das sei aber nur die eine Seite. Die praktisch täglichen Begegnungen mit dem Mietpreller, mit dem sie unter einem Dach wohnt, seien „wie kleine Nadelstiche“, beschreibt Christine Ender die psychische Belastung. Auch die Rückzahlungen setzen ihr zu. „Da gehen jetzt meine Ersparnisse drauf.“ Geld, das sie zur Seite gelegt hat, um im Falle gesundheitlicher Probleme im Alter gerüstet zu sein.

Härtefall eher die Ausnahme

„Man hat nie in der Hand, wie sich ein Mieter entwickelt“, sagt Andrea Schwaninger (54), Geschäftsstellenleiterin der Vorarlberger Eigentümervereinigung. Seit zehn Jahren berät sie Vermieter. In der Beratung werde vor der Vermietung auf Fallstricke hingewiesen und das Vorgehen besprochen. „Ausschließen, dass ein Mieter irgendwann nicht mehr zahlt, kann man aber nicht“, so die Expertin. Fälle wie jener von Christine Ender seien aber die Ausnahme.

Der Vermieter-Albtraum ist für Christine Ender nicht zu Ende. Längst sind zwar Gerichte bemüht. „Die Verfahren können sich aber ziehen. Das kann bis zu einem Jahr gehen“, erklärt Schwaninger, die auch den Gesetzgeber in der Verantwortung sieht. In solchen Fällen müsse es eine Beschleunigung der Verfahren geben. Die Chancen, dass die 68-Jährige irgendwann zu ihrem Geld kommt, stehen trotz möglichem Exekutionstitel schlecht. Wenn es nichts zu holen gibt, werde es schwierig, so die Expertin.

Schlimmer noch, zu den Mietausfällen dürfte nach der Räumung weiteres Ungemach auf die Altacherin zukommen. „Ich werde die Wohnung dann wohl sanieren müssen. Auch das zahlt mir niemand.“ Wann das sein wird, entscheiden Gerichte. Eines steht für Christine Ender aber jetzt schon fest: „Auch wenn ich auf vieles verzichten muss, ob ich noch einmal eine Wohnung vermieten werde, muss ich mir gut überlegen.“ Die vielen Leerstände würden sie jedenfalls alles andere als wundern.