20 Monate Haft

Vorarlberg / 12.07.2019 • 22:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Ich bekenne mich sehr schuldig“, sagte die Angeklagte vor Gericht und will den Schaden wiedergutmachen.hofer
„Ich bekenne mich sehr schuldig“, sagte die Angeklagte vor Gericht und will den Schaden wiedergutmachen.hofer

Rumänin lockte altem Mann insgesamt 85.780 Euro aus der Tasche.

Feldkirch Die Masche ist nicht neu. Eine angeblich bettelarme Frau aus Rumänien gibt vor, dass ihre ganze Familie zu Hause krank sei und sie dringend Geld für Operationen benötige. Als eine Zeitungsverkäuferin vor dem Eurospar in Bregenz um Geld bettelte, tischte sie ihre Lügengeschichte einem alten Mann auf. Der hatte Mitleid mit der 52-Jährigen und gab ihr Geld. Nicht nur einmal und auch nicht wenige Münzen, sondern immer wieder Beträge bis zu 5000 Euro.

Per Telefon verabredeten sich die beiden mehrmals, wobei sie ausschließlich die Euro-Scheine interessierten. Irgendwann waren die Ersparnisse des Seniors aufgebraucht, er musste sogar einen Kredit aufnehmen und seinen Sohn anpumpen. Dadurch flog die Sache auf. Die Polizei wurde eingeschaltet, ein fingiertes Treffen zwischen Täterin und Opfer arrangiert und die Rumänin im April dieses Jahres festgenommen. 85.780 Euro hatte ihr der Mann in einem Zeitraum von zweieinhalb Jahren übergeben.

Das Geld ist weg

Beim Prozess erscheint gleich der ganze angeblich so kranke Familienclan im Gerichtssaal. Immer wieder beteuert die Rumänin vor Richterin Sonja Nachbaur, wie leid ihr die ganze Sache tue. „Ich bekenne mich sehr schuldig“, übersetzt ihre Dolmetscherin für die reumütige Angeklagte. Sie wolle den ganzen Schaden gutmachen. „Ihre Familie habe nichts davon gewusst“, sagt sie und erzählt, seit drei Jahren getrennt von ihrem Mann zu leben.

Ein Kuvert mit 2500 Euro Inhalt wird noch im Gericht an das Opfer übergeben. Diesen scheint die Sache sehr mitgenommen zu haben. Still sitzt er im Gerichtssaal. Das ganze Geld wird er wohl kaum mehr zurückerhalten. Es sei weg, sagt die Frau. Sie habe damit anderen Menschen geholfen und es im Stile Robin Hoods verteilt. „Wissen Sie, in Rumänien herrscht große Not und Armut.“ Sie persönlich habe in ihrer Heimat lediglich eine kleine Wohnung. Höchstens 10.000 Euro wert. Doch Recherchen haben ergeben, dass sie in Rumänien im Jänner 2018 mit ihrem Mann ein Grundstück um 37.000 Euro erworben hat. Jedenfalls ist es so im Kataster vermerkt. Sie wisse nichts davon  und sagt: „Vielleicht war es ja mein Mann.“ 

„Schaden wieder gutmachen“

Staatsanwältin Konstanze Manhart betrachtet es als besonders verwerflich, dass die Frau die Gutmütigkeit eines alten Mannes derart ausgenützt habe. Wegen der hohen Summe lautete die Anklage auf Verbrechen wegen schweren Betruges. Für Rechtsanwalt Matthias Kucera steht außer Frage, dass es einen Schuldspruch für seine Mandantin geben wird. Die Rumänin bettelt regelrecht darum, den Schaden wiedergutzumachen. Sie möchte den Betrag in Raten abstottern. Vorerst aber heißt es für sie „gesiebte Luft“  atmen. Insgesamt wird sie zu 20 Monaten Haft verurteilt, wobei die U-Haft angerechnet wird. CRO