Gemeinschaftliche Wohnbauprojekte setzen Impulse

Vorarlberg / 12.07.2019 • 19:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zusammen geplant, zusammen gebaut. Das Nachtgärtle in Fußach ist ein Beispiel für gemeinsames und damit auch kostengünstigeres Bauen. Konrad
Zusammen geplant, zusammen gebaut. Das Nachtgärtle in Fußach ist ein Beispiel für gemeinsames und damit auch kostengünstigeres Bauen. Konrad

VAI-Direktorin Verena Konrad bricht eine Lanze für kooperatives Bauen.

Dornbirn Wer ein Haus baut, eine Wohnung kauft, tätigt damit in den meisten Fällen die größte Investition des Lebens. Doch seit geraumer Zeit geht die Schere immer weiter auseinander. Immer weniger Menschen können sich den Erwerb einer Wohnung leisten. Aber nicht nur das Kaufen, auch das Mieten wird zunehmend teurer. Der Markt reagiert darauf mit neuen Konzepten. Vorwiegend mit kleineren Wohneinheiten, mit Reduktionen in der Ausstattung. Nichts davon ist falsch, aber diese Konzepte sind auch nicht zwingend richtig.

Um Budgetlöcher zu füllen, wurden in den vergangenen Jahrzehnten in vielen europäischen Städten Wohnungen und Bauland im großen Stil privatisiert. Die Veräußerung im Höchstbieterverfahren war gängige Praxis und ist der entscheidende Grund für steigende Immobilienpreise. Heute gibt es im Bereich der Architektur eigentlich nur zwei Möglichkeiten, um leistbaren Wohnraum zu schaffen: die Reduktion des baulichen Standards und der Wohnungsgrößen. Der größte Teil des zur Verfügung stehenden Kapitals geht in den Erwerb des Baulands. Der Renditedruck für Investoren ist groß. Miet- und Kaufpreise steigen immer weiter an. In den Metropolen Europas ist bereits jetzt ein „normales“ Wohnen im Zentrum kaum mehr möglich. Die Verknappung von Wohnraum ist aber kein urbanes Phänomen. Auch in ländlichen Gebieten steigen die Preise und neuerdings die Nachfrage nach neuen Modellen der Grundstücksvergabe. Ein solches Modell ist z.B. eine Vergabe nach Nutzungskonzept und nicht nach Höchstbieterverfahren. Voraussetzung dafür ist, dass sich diese Grundstücke bereits in öffentlicher Hand befinden oder Verkäufer und Investoren selbst in Verantwortung treten.

Die Reduktion der Wohnfläche kann inmitten dieses Dilemmas vielleicht schnell Effekte erzielen und sie kann auch helfen, Ressourcen einzusparen. Das Zurückgehen auf das Notwendige kann Ausdruck eines ökologischen Anliegens sein. Einer Haltung, nur das zu verbrauchen, was es zum Leben wirklich braucht. Doch die wenigsten Menschen erwerben eine kleine Wohnung, weil sie dieses Anliegen vertreten, sondern weil sie sich nichts Größerers leisten können. Sie wünschen sich Raum, um sich zu entfalten. Diese Großzügigkeit erreichen die wenigsten Menschen heute allein. Darin kann auch ein sozialer Gewinn liegen.

Es gibt Gründe genug, sich für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen zu engagieren, für neue Quartiere, die durch gemeinschaftliche Aspekte getragen sind. Dahinter steht der Gedanke, nicht sämtliche Funktionen, die mit dem Wohnen verbunden sind, alleinig und im Eigentum verfügbar zu haben. Gemeinschaftliche Wohnprojekte setzen hier heute wie schon vor vierzig Jahren wertvolle Impulse. Sie schauen auf das, was gebraucht wird, und teilen, wo es Sinn macht. Was diese Baugemeinschaften aktuell brauchen, ist Boden. Gründe dafür gibt es genug.

Lesen Sie in der nächsten Folge, wie Arbeiterkammer-Präsident Hubert Hämmerle leistbaren und hochwertigen Wohnraum in Vorarlberg schaffen will.