„Noch nie zuvor war mir Sonnenschein unerwünschter“

Vorarlberg / 12.07.2019 • 18:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Margaret Sikkens-Ahlquist ist von Dornbirn begeistert.Gymnaestrada
Margaret Sikkens-Ahlquist ist von Dornbirn begeistert.Gymnaestrada

Sikkens Ahlquist über die Gymnaestrada in Dornbirn und die Bedeutung des Turnens.

Dornbirn Die FIG-Chefin des „Turnen für alle“ sieht die Gymnaestrada in Vorarlberg als Paradebeispiel für die Verwirklichung der Philosophie des Weltturnverbandes.

 

Die Weltgymnaestrada 2019 neigt sich dem Ende zu. Wie schaut Ihre Bilanz aus?

Sikkens Ahlquist Ich bin schwer beeindruckt von dem, was hier einerseits die Organisatoren leisten, und andererseits von dem, was die Aktiven zeigen. Vor allem die Verschiebung der Eröffnungsfeier mit der späteren Durchführung war eine organisatorische Meisterleistung. So was hatte ich in neun Gymnaestraden zuvor nicht erlebt. Wie das lokale OK-Team diese Situation gemeistert hat, war sensationell. Sie mussten die Veranstaltung zum Teil reorganisieren und sich mit allen Teilnehmern absprechen.

 

Wie hat sich diese Entscheidungsfindung zur Absage abgespielt?

Sikkens Ahlquist Es sind alle maßgeblichen Experten zusammengesessen und haben die Wettersituation erörtert. Die Chance auf Blitz, Donner und Sturm für den Zeitpunkt der Veranstaltung stand bei 50:50. Regen alleine hätte uns nicht beeindruckt. Das lokale Organisationskomitee sprach sich für eine Absage aus, weil bei 50:50-Sturmwahrscheinlichkeit das Risiko zu groß sei. Dieser Meinung haben wir uns vom internationalen Komitee vorbehaltlos angeschlossen. Sie können mir glauben: Ich habe mir noch nie so sehr die Abwesenheit von Sonnenschein gewünscht wie zu diesem kritischen Zeitpunkt. Die Entwicklung hat gezeigt, dass die Entscheidung völlig richtig war.

 

Was hat Ihnen bei dieser Veranstaltung sonst noch gefallen?

Sikkens Ahlquist Dass die positiven Emotionen der Gymnaestrada so toll in den Vordergrund getreten sind. Die Veranstaltung war ein Paradebeispiel für die Erfüllung unserer Philosophie mit Fleisch und Blut. Es hat hier keine VIPs gegeben. Als ich einmal zu spät zu einer Vorführung kam, bin ich auch auf dem Boden gesessen, weil alle Plätze besetzt waren. Wo immer ich mich aufhielt, habe ich glückliche Gesichter gesehen. Das ist Gymnaestrada. Ich bin zudem glücklich darüber, dass wir mehrere neue Teilnehmernationen in Dornbirn begrüßen durften.

Aber es muss doch auch negative Erfahrungen gegeben haben.

Sikkens Ahlquist Nicht wirklich. Man kann vielleicht von einigen wenigen Missverständnissen in der Kommunikation mit einzelnen Delegationen sprechen. Aber das war in den meisten Fällen sprachlichen Unzulänglichkeiten geschuldet.

 

Gibt es neue Trends im Turnen für alle?

Sikkens Ahlquist Ja, die gibt es. Straßenturnen, Breakdance, Fassadenklettern: Solche Dinge sind derzeit in. Die wurden auch hier gezeigt und haben hohen Anklang gefunden.

 

Was ist Ihnen persönlich für die Zukunft des Turnens wichtig?

Sikkens Ahlquist Wichtig ist mir im Zusammenhang mit unserer Bewegung vor allem die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen. Ich beziehe mich da auf die schrecklichen Missbrauchsvorfälle bei den Turnern in den USA. Das hat uns dazu veranlasst, die Initiative „Safe Guarding“ ins Leben zu rufen, um ein entsprechendes Bewusstsein für jede Art von Belästigung und Missbrauch zu schaffen. VN-HK

„Die Verschiebung der Eröffnungsfeier war eine organisatorische Großleistung.“