„Weißt du, eigentlich sollte ich ja jemanden umbringen“

12.07.2019 • 20:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Fall Mihavecs und Zuhälterkriege. Norbert Schwendingers (60) Anfänge bei der Gendarmerie.

Schwarzach Die berufliche Karriere eines jeden Polizisten beginnt mit dem Streifendienst. So war es auch beim Dornbirner Norbert Schwendinger. Im Jahr 1979 war er dem damaligen Gendarmerieposten Höchst zugeteilt, musste aber gleichzeitig noch den Grundwehrdienst beim Bundesheer absolvieren. „Irgendwie ein Glück“, sagt der heute 60-Jährige, denn der April 1979 war ein Schicksalsmonat, der Vorarlberg in die Weltpresse brachte. Ein „höchst peinlicher“ Schicksalsmonat, denn damals wurde der Bregenzer Andreas Mihavecs im Höchster Gemeindekotter wegen eines Verkehrsdeliktes eingesperrt und 18 Tage lang darin vergessen. Er überlebte ohne Nahrung wie durch ein Wunder. Doch Schwendinger war in keiner Form daran beteiligt.

Beim Rapport

„Ich war damals beim Bundesheer in Salzburg. Ein Unteroffizier befahl mich sofort zum Rapport und fragte mich, ob ich an dem peinlichen Fall beim Gendarmerieposten Höchst beteiligt gewesen sei“, lacht der angehende Pensionist heute. Die Sache hatte auch später noch Auswirkungen. „Bei Verkehrsüberschreitungen sagten beanstandete Lenker, dass sie lieber gleich zahlen würden, um nicht eingesperrt zu werden“, erinnert sich Schwendinger. „So was prägt. Man kommt damit schuldlos zum Handkuss.“ Nach dem Fall Mihavecs änderte sich naturgemäß einiges. Musste sich ändern. „Früher hat man den Kollegen vor der Ablöse einen Zettel geschrieben, dass sich jemand im Arrest befindet. Heute ist man da präziser.“

Gefährliche Zeit

Die Jahre als Gendarm in Höchst zeichneten die berufliche Zukunft des Dornbirners bereits auf recht spektakuläre Weise vor und wurden auch zu einem wesentlichen Kriterium für die neuen Aufgaben. „Es war die Ära der Zuhälterkriege und eine interessante, gefährliche Zeit. Ich wurde bereits Wochen und auch Monate als Assistent der Kriminalabteilung zugewiesen.“ Gewalt und Drohungen seien an der Tagesordnung gewesen, besonders im Nachtdienst. „Einem Gendarmeriekollegen wurde ätzende Säure über den Dienstwagen geschüttet“, erinnert sich Schwendinger. Bei ihm selbst sei einmal ein Mensch aus dem Milieu auf der Dienststelle vorstellig geworden. Doch nicht um zu drohen, sondern um zu gestehen: „Er sagte zu mir, weißt du, eigentlich sollte ich ja jemanden umbringen. Das hatte schlussendlich die Überführung von Verdächtigen zur Folge.“

Nach einem „kurzen Abstecher“ (Schwendinger) zum Gendarmerieposten Lochau fasste der Dornbirner ein anderes Karriereziel ins Auge und absolvierte einen Fachkurs in Mödling. Die Tür zur Kriminalabteilung stand offen.

Zur Person

Norbert Schwendinger

Chefermittler in 28 vollendeten und 60 versuchten Mordfällen in Vorarlberg)

Geboren 5. Dezember 1958

Familie in Lebensgemeinschaft, zwei Kinder

Laufbahn 1979 bis 1991: Gendarmeriebeamter auf den Dienststellen Höchst und Lochau; 1991 bis 1996: Kriminalbeamter bei den Abteilungen Raub und Diebstahl; 1996 bis 2008: Leiter der Diebstahlsgruppe im Landeskriminalamt; 2008 bis 1. August 2019: Leiter der Abteilung LKA 1 Leib/Leben (Mordkommission); am 1. August geht der 60-Jährige in Pension

Lesen Sie nächsten Samstag: Die ersten Jahre bei der Kriminalabteilung.