Weltturnpräsidentin Margaret Sikkens Ahlquist (63) spricht in höchsten Tönen über die Gymnaestrada 2019

Vorarlberg / 12.07.2019 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Margaret Sikkens Ahlquist ist beim Weltturnverband für das „Turnen für Alle“, und damit für die Gymnaestrada zuständig. GYMNAESTRADA

Die Organisation bei der Verschiebung der Eröffnungsfeier war eine Meisterleistung – meint Sikkens Ahlquist.

Dornbirn Die FIG-Chefin des „Turnen für Alle“ sieht die Gymnaestrada in Vorarlberg als Paradebeispiel für die Verwirklichung der Philosophie des Weltturnverbandes.

Die Weltgymnaestrada 2019 neigt sich dem Ende zu. Wie schaut Ihre Bilanz aus?

Ich bin schwer beeindruckt, von dem was hier einerseits die Organisatoren leisten und andererseits von dem, was die Aktiven zeigen. Vor allem die Verschiebung der Eröffnungsfeier mit der späteren Durchführung war eine organisatorische Meisterleistung. So was hatte ich in neuen Gymnaestraden zuvor nicht erlebt. Wie das lokale OK-Team diese Situation gemeistert hat, war sensationell.

Wie hat sich diese Entscheidungsfindung zur Absage abgespielt?

Es sind alle maßgeblichen Experten zusammengesessen und haben die Wettersituation erörtert. Die Chance auf Blitz, Donner und Sturm für den Zeitpunkt der Veranstaltung stand bei 50:50. Regen alleine hätte uns nicht beeindruckt. Das lokale Organisationskomitee sprach sich für eine Absage aus, weil bei 50:50-Sturmwahrscheinlichkeit das Risiko zu groß sei. Dieser Meinung haben wir vom internationalen Komitee uns vorbehaltlos angeschlossen. Sie können mir glauben: Ich habe mir noch nie so sehr die Abwesenheit von Sonnenschein gewünscht, wie in diesem kritischen Zeitpunkt. Die Entwicklung hat gezeigt, dass die Entscheidung völlig richtig war.

Was hat Ihnen bei dieser Veranstaltung sonst noch gefallen?

Dass die positiven Emotionen der Gymnaestrada so toll in den Vordergrund getreten sind. Die Veranstaltung war ein Paradebeispiel für die Erfüllung unserer Philosophie mit Fleisch und Blut. Es hat hier keine VIPs gegeben. Als ich einmal zu spät zu einer Vorführung kam, bin ich auch auf den Boden gesessen, weil alle Plätze besetzt waren. Wo immer ich mich aufhielt, habe ich glückliche Gesichter gesehen. Das ist Gymnaestrada.

Aber es muss doch auch negative Erfahrungen gegeben haben.

Nicht wirklich. Man kann vielleicht von einigen wenigen Missverständnissen in der Kommunikation mit einzelnen Delegationen sprechen. Aber das war in den meisten Fällen sprachlichen Unzulänglichkeiten geschuldet.

Gibt es neue Trends im Turnen für alle?

Ja, die gibt es. Straßenturnen, Breakdance, Fassadenklettern: Solche Dinge sind derzeit in. Die wurden auch hier gezeigt.

Was ist Ihnen persönlich für die Zukunft des Turnens wichtig?

Wichtig ist mir im Zusammenhang mit unserer Bewegung vor allem die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen. Ich beziehe mich da auf die schrecklichen Missbrauchsvorfälle bei den Turnern in den USA. Wir haben die Initiative „Safe Guarding“ ins Leben gerufen, um ein entsprechendes Bewusstsein für jede Art von Belästigung und Missbrauch zu schaffen.